FIERACAVALLI in Verona PCI-Reise vom 7. – 10. November 2003
Die Reise führte von der Schweiz aus über Milano ins historische, sympathische Städtchen Verona, wo sich die vier PCI-Reisenden am Freitagabend im Hotel Mastino zusammenfanden. Nach einem ersten Bummel durch die Stadt, vorbei an der berühmten Arena di Verona und mit staunenden Blicken in die äusserst eleganten Geschäfte (Verona ist die „Schuhstadt“ par excellence!), lockte natürlich ein italienisches Restaurant und eine wunderbare Pasta zum Auftackt in dieses Wochenende der Pferde.
Der Samstag war behängt und regnerisch, aber die Fieracavalli fand vorwiegend in Hallen statt, so dass das Wetter nicht störte. Schon früh morgens war das Gelände dicht bevölkert und es war offensichtlich, wie viel Interesse die Italienerinnen und Italiener den Pferden entgegenbrachten. Ganze Familien und Sippschaften waren unterwegs, der Vormarsch durch die 6 – 7 Hallen gelang nur im Gänsemarsch.
Beginnen wir mit Halle 3, wo die Europameisterschaft der Araber ausgetragen wurde. Keine Chance auf einen Sitzplatz. Auf Zehenspitzen und mit gereckten Köpfen einige Eindrücke der eleganten Tiere erhaschen, die wie Wirbelwinde in der Halle herumflitzten, mehr war nicht auszumachen. In der gegenüberliegenden Arena fand ein FEI Springturnier statt, nebenan haben sich die Spanier eine Hochburg aufgebaut mit Präsentationen der Doma Vacquera und Doma Classica. Schöne, fein gearbeitete spanische Lederwaren für Pferd und Reiter wurden von zwei grösseren Ausstellern angeboten; wunderbare Hosenröcke, Lederbottinen, Westen und Jacken. Über allem der Duft von Paella und Sangría...
Auch den amerikanischen Westernpferden stand ein eigener Paddock zur Verfügung, gesäumt von unzähligen Ausstellern und buntem Zubehör für jeden Geschmack. Den ganzen Tag lang lief eine Show nach der andern, die Stimmung heizte sich dementsprechend auf. Am meisten Freude machte aber die Präsentation diverser italienischer Pferderassen, die bei uns fast unbekannt sind. Beeindruckt haben u.a. acht schwarze Murgeser Hengste, die in einer sehr schönen Choreographie und zur passenden italienischen Volksmusik ihre Ausstrahlung entfalteten. Lebensfreude und Energie strömten von Pferden und Reiter/innen aus und begeisterten das Publikum. Fasziniert haben auch die kleinen Pferdchen der sardinischen Region GIARA: Il cavallino della Giara, wie sie in Italien heissen. Die Giara ist ein Naturschutzgebiet im südlichen Teil Sardiniens, wo diese Rasse mehrheitlich wild und ungestört leben kann. Und dann trabten die weissen Eselchen der Insel Asinara in die Manege ein und eroberten die Herzen der Zuschauer im Nu. Auf dieser nördlich von Sardinien gelegenen, unbewohnten Insel leben heute ca. 800 Exemplare dieser Rasse in Freiheit, integriert in ein Zuchtprojekt des Istituto Incremento Ippico della Sardegna. L’asino bianco dell’Asinara, ein liebenswertes Geschöpf, nur 80 – 105 cm im Stockmass, die Fohlen mit blauen, klaren Augen – schön, dass diese seltenen Rassen erhalten und gepflegt werden!
Bekannter hingegen ist das Cavallo Maremmano, das unzertrennlich mit dem Bild des berittenen Viehhüters – Buttero genannt – verknüpft ist, dessen Leben sich fast vollständig auf dem Pferderücken abspielt. In seiner typischen Arbeitskleidung und mit geschultertem Holzstock (Arbeitsutensil) eine würdige Erscheinung, taucht er immer wieder in der Menge der Fiera auf, unterwegs vom einen Anlass zum anderen.
Pat Parelli Natural Horsemanship wird auch in Italien aktiv; der Schweizer Edwin Wittwer und sein Team stellten das Konzept in gewohnter, showmässiger Manier vor und ernteten verdienten Applaus.
Auch auf die Schweiz traf man an der Fieracavalli: Das IG Freiberger Team Aargau war mit einer Gruppe Freibergern angereist, die in Boxen mit roten Schweizer Fähnchen dem bunten Messetreiben interessiert zusahen. Ruhig und gelassen bewegten sie sich in der Menge, wenn sie vorgeführt wurden und die Mädchen ohne Sattel kleine Kunststücke vorführten. Als Zugabe gabs ein kleines Zelt mit Raclette.
Die ganzen Veranstaltungen wurden flankiert von unzähligen Messeausstellern. In riesigen Hallen wurde alles angeboten, was mit Pferden und reiten zu tun hat. Auffällig waren die schönen Lederarbeiten Italiens, sei es in Form exklusiver Reitstiefelchen für schmale Waden, Bottinen oder eleganten Hand- und Reisetaschen. Für die „Notti di Fieracavalli“ – den abendlichen Showteil – reichte die Energie der PCI-Besucherinnen nicht mehr aus. Ziemlich diffus organisiert, ohne konkretes Programm und auf verschiedene Paddocks verteilt, war nicht auszumachen, was genau geboten wurde. Die Messe schloss um 20.00 Uhr, das Showprogramm sollte von 21.00 bis 24.00 dauern, gemütliche Imbissecken waren nicht vorhanden. Warme Panini schien die Hauptnahrung der Messebesucher zu sein, und die vier PCI-Frauen gelüstete es nach etwas Währschafterem. Nach einer letzten Runde durch die sich leerenden Hallen begaben sie sich auf den Heimweg, der in einem kleinen Abenteuer mündete, da der Bus sie unfahrplanmässig in einem völlig abgelegenen Quartier aussetzte. Nach einem längeren einsamen Fussmarsch stiess man endlich auf einen abendlichen Spaziergänger mit Hund, der den Weg zur nächsten Haltestelle wies – aber ab 20.00 Uhr fuhren keine Busse mehr. Dank Handy und beherztem Ausfragen von Passanten hat man dann endlich eine Taxi-Nr. erhalten, die erlösende Rettung, und ein feines Nachtessen machte alles wieder gut.
Der Sonntag stand zur freien Verfügung, was zu einem Ausflug nach Venedig genutzt wurde, nun wieder bei allerschönstem Wetter und tiefblauem Himmel. Die Reise wurde am Montag mit einem Stadtbummel und einem Besuch im Haus der Giulia beschlossen, und nach einem letzten Cappucino auf der Piazza brachte die Bahn alle wieder pünktlich in die Schweiz zurück. Eindrücke hallen nach und werden – wer weiss – in Form von neuen Ideen irgendwann wieder zum Vorschein kommen.
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