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PCI-Gazette 20 - Mundial de Confepaso

6. Mundial de CONFEPASO
Meine Reise nach Medellín, Colombia


Von Carla Tschümperlin, Delegierte CONFEPASO

Medellín, die Stadt des ewigen Frühlings
Ich reise nach Kolumbien, nach Medellín.
Freunde, Eltern und Arbeitskollegen schauten mich mit hochgezogenen Augenbrauen an: Ist nicht Dein Ernst, oder? Wer um Himmels Willen geht schon nach Medellín? Das ist doch viel zu gefährlich. Schon bald waren Witze über die Höhe meiner Lösegeldforderung angesagt. Und die einen überlegten sich, wie sie mich da bloss wieder rauskriegen würden, wenn es denn soweit sei. Ich beschwichtigte die Rambo Gemüter und erinnerte daran, dass ich schliesslich nicht das erste Mal nach Kolumbien reise. Wenn auch das erste Mal nach Me-dellín.
Von Anfang an, seit ich Kolumbien bereise, erzeugte das Wort Medellín bei mir Neugierde. Ein Grund dafür war der immense Kontrast, welcher mit dieser Gegend verbunden ist. Einer-seits die Begeisterung mit welcher  die Kolumbianer von Medellín erzählen, vom Klima schwärmen, von den Leuten (la gente paisa), von den unendlich vielen guten Pferden und den grünen satten Wiesen. Medellín, die Stadt der Blumen und des ewigen Frühlings. Viele sagten mir, ich würde das Beste von Kolumbien nicht kennen, wenn ich nie in der Provinz Antioquia und Medellín war. Als Kontrast dazu das schlechte Bild, das wir von Kolumbien, aber speziell von Medellín, haben. In Europa kommen einem im Zusammenhang mit diesem Ortsnamen sofort die Bilder von Drogenkartellen, Schiessereien und Entführungen in den Sinn. Wie bei vielen Dingen, liegt die Wahrheit wahrscheinlich in der Mitte.
Nun galt es herauszufinden, welche Bedeutung Medellín für mich haben würde. Doch zuerst musste die lange Flugreise überstanden werden. Zürich-Paris-Bogotà-Medellín. Der Flugha-fen Medellíns liegt ca. 40 Min. ausserhalb der Stadt. Bei nächtlicher Ankunftszeit vertraute ich mich einem Taxi Chauffeur an. Dieses „Auf-gut-Glück-Gefühl“ kannte ich von anderen Reisen. Bei offener Scheibe konnte ich die frische, kühle Nachtluft einatmen und mir den Duft von Medellín einprägen. Mit rasanter Geschwindigkeit und bedenklichen Überholmanövern (ich hatte mir ein Taxi ausgesucht, das nicht den Anschein machte, gleich auseinander-zubrechen....) wollte mir der Chauffeur wohl seine Fahrkünste und den guten Zustand seines Untersatzes beweisen. Die Verbindungstrasse zur Stadt konnte sich zu meiner Überraschung mit einer guten kurvigen Bergstrasse in der Schweiz vergleichen. Da fliegt man tau-sende von Kilometern und landet auf einer Strasse wie zu Hause....!!!


Ein grosser Wanderzirkus
Am nächsten Tag wecken mich die brummenden Stadtgeräusche. Medellín liegt in einem Talkessel und ist bis in die Hänge überbaut. Über das Radio stimme ich mich auf den neuen Rhythmus ein; spanische Wortfetzen, begeisterte Moderatoren welche das „R“ rollen und herzzerreissende Vallenato Lieder. Dann mache ich mich auf den Weg, um die Freunde und Bekanntschaften aufzusuchen, welche ich immer wieder an diesen Anlässen sehe. Wann wer wo und wie zu erreichen ist, weiss ich im Voraus nie. Das Meiste ergibt sich spontan. Im Verlaufe der Woche jedoch werde ich viele meiner Bekannten wieder sehen, denn die Paso Fino Szene ist ein riesiger Wanderzirkus, bei dem alle präsent sind, wenn die Vorstellung beginnt. Kaum in der  Hotel Lobby, geht es los: soeben fährt ein Schulbus vor, vollgepackt mit Richtern, das Gepäck auf das Dach gebunden. Das grosse „Wiedersehens-Holà“ im Zirkus geht los.

Eine Richterin in Kolumbien
Auch meine Freundin und einzige weibliche Richterin in Kolumbien, ANGELA OCHOA DE MEJIA, ist mit dabei. Als einzige Frau in einer Männerbastion setzt sie sich mit ihrer Kompe-tenz durch und ist ein beliebte Richterin, auch ausserhalb der Grenzen von Kolumbien. Ich habe durch Gespräche mit ihr viel gelernt. Ihrerseits ebenfalls sehr an der klassischen Reit-kunst interessiert, ist sie eine spannende Gesprächspartnerin. Durch sie habe ich auch mitbekommen, welch grossem Druck die Richter in Kolumbien ausgesetzt sind. Mit Morddrohungen und Hetzereien muss jeder Richter rechnen, der sich bereit erklärt, sein Amt auszuüben. Richter zu sein ist in Kolumbien kein leichter Job. Nebst strengen Anforderungen bei der Richterausbildung und dauernder Weiterbildung braucht ein Richter eine unerschütterliche Passion für die Sache und ein starkes Nervenkostüm, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ein Richterteam an einem Tag  der Weltmeisterschaft in der Modalität Paso Fino bis zu 350 Pferde beurteilen muss. Von Morgens 9.00 bis nach Mitternacht erfordert dies einiges an Stehvermögen und Konzentration! Die internationalen Richter, welche durch die CONFEPASO zugelassen werden, müssen nebst dem Richterlehrgang mit Prüfungen auch jährlich eine Weiterbildung besuchen, wenn sie ihre Lizenz behalten wollen. CONFEPASO organisiert jährlich ca. 2 Richterweiterbildungen, genannt „Taller de Jueces“.
Im Vorfeld des Mundial wurde eine solche Weiterbildung abgehalten. Themen dieser Tagung waren:

• Prüfungsordung und erklärende Videos aus der Praxis: Paso Performance, Paso Pleasure, Paso Versatility, Paso Trail, Paso Western.
Hier ging es darum, den nicht amerikanischen Richtern diese typisch amerikanischen Prüfungen näher zu bringen, da Performance und Pleasure auch an einem Mundial gerichtet werden. Viele der südamerikanischen Richter kennen in ihren Ländern diese Prüfungen nicht, da die Pferde in den Paso Fino Klassen lediglich nach Geschlecht und Alter unterschieden werden, nicht aber nach Gangtyp Classic Fino/Performance/Pleasure.
 

• Morphologische Charakteristik und Gangmerkmale bei Trote y Galope Colombianos, Trocha y Galope Colombianos, Trocha Pura Colombiana.
Erklärt wurden die typischen Merkmale dieser Gangarten, insbesondere des kolumbianischen Trabes ( ohne Suspension)  und der Trocha und mit welcher Haltung und Impulsion diese versammelten Gangarten geritten werden sollen. Ausserdem wurden Unterschiede des Exterieurs im Vergleich zum Paso Fino erklärt. Sehr offensichtlich ist der Grössenunterschied.


• Kadenz der Gänge:
Hier wurde darüber gesprochen, wie viele Schläge pro Minute man beim Auffussen des Pferdes hört (gemessen an guten Durchschnittspferden):
Paso Fino:   ca. 680-700 Schläge pro Minute ( 4 Takt)
Trocha:  ca. 680-700 Schläge pro Minute ( 4 Takt)
Trote:  ca. 270 Doppelschläge pro Minute ( 2 Takt) (540 Einzelschläge)
Galope:  ca. 400 Schläge pro Minute ( 3 Takt)

Criadero Lusitania
Im Vorfeld des Mundials bietet sich ebenfalls eine gute Gelegenheit, verschiedene Gestüte und Trainer zu besuchen. Ein besonderes Highlight für mich war der Besuch des Criadero Lusitania. Ich hatte schon öfters die Gelegenheit, mit dem Besitzer DAIRO CHICA zu diskutieren und seine Pferde an Turnieren zu bewundern. DAIRO CHICA ist ein ausgezeichneter Züchter und exzellenter Reiter, ein Pferdekenner mit grossem theoretischen Wissen. Er kennt sich mit Paso Finos genauso gut aus wie mit Lusitanos, denn seine zweite grosse Passion ist das Stierkampfreiten. So befinden sich in seinem Gestüt Seite an Seite Paso Finos und Lusitanos. DAIRO CHICAS Gestüt thront wunderschön gelegen weit oberhalb von Medellín und ist in den Hang gebaut. Auf verschiedenen Ebenen befinden sich die Stierkampfarena, Ställe und eine wunderschöne Reithalle mit Tribüne und ein Brunnen mit Fresken. Wahrlich eine Seltenheit für kolumbianische Verhältnisse. Leider hat sich Dairo ent-schieden, das Anwesen zu verkaufen; es soll überbaut werden und der wachsenden Stadt Platz machen. Er wird sich ein neues Gestüt irgendwo in der Gegend von Rio Negro bauen. DAIRO CHICA setzt sich ein für eine langsame und solide Ausbildung der Jungpferde, die sich eher am europäischen Stil anlehnt, als an dem in Kolumbien so oft praktizierten Hauruckverfahren  mit 2-jährigen Pferden. Seine Meinung zu gewissen Reitmethoden äussert er unverblümt. Er ist deshalb nicht bei allen beliebt. Sein etwas wortkarges, verschlossenes Wesen und der oft düstere Blick lässt ihn ausserdem nicht sehr zugänglich erscheinen. Er ist also eher ein „schweigsamer Bergler“ als ein „flirtender Kolumbianer“. Das hat ihn nicht daran gehindert, eine ehemalige Miss Colombia zu heiraten, die graziöse Maria Teresa Gomez. Zusammen mit ihr und weiteren Familienmitgliedern führt er ausserdem sehr erfolgreich das Restaurant LA FONDA DE SALVATIERRA. Nach dem gleichen Konzept wie „La Margarita“ von Fabio Ochoa in Bogotà, geht mitten durch das Restaurant eine gerade  Piste, wo Paso Finos oder Lusitanos  präsentiert werden. So kann man während eines typischen Essens hautnah die Pferde beobachten. Die Pferde machen kurze Darbietungen;  von Fino Fino über Piaffe und Passage und Pirouetten ist alles zu sehen. Dann legt am Wochenende eine Live Band los und die Gäste tanzen auf der Piste, wo vorher noch die Pferde getöltet sind. Ich brauche hier wohl nicht zu erwähnen, dass diese Momente, wo Pferde, Tanz und gutes Essen zusammen-kommen, zu meinen glücklichsten Kolumbien Erinnerungen gehören. Hinter dem Restaurant, wo die Pferde gestallt sind, hat DAIRO ebenfalls seine kleine Reitschule, in welcher auf tra-benden Pferden unterrichtet wird.


CONFEPASO Delegierten Sitzung
An der Delegierten Sitzung vom 12. Nov. 03 ging es um folgende Inhalte:

• Der CONFEPASO Präsident, Sr. Bernardo Vásquez Herrera aus Kolumbien, sprach seine Enttäuschung darüber aus, dass nur so wenige Pferde aus dem Ausland erschienen waren. Der Aufwand, einen solchen Mundial zu organisieren, ist beträchtlich und der Erfolg hängt im Wesentlichen auch davon ab, wie viele Pferde aus dem Aus-land kommen. Die Gründe für die fehlende Teilnahme, so die Delegierten, sind vor allem folgende:


o Probleme mit den Quarantäne Bestimmungen
o Angst der Teilnehmer, dass sie ihre Pferde danach nicht mehr in ihr Land rück-einführen können.
o Sicherheitsprobleme


So waren denn auch wirklich nur ein paar verschwindend wenige Exemplare, die man an einer Hand abzählen konnte, präsent. Damit ist die Gefahr gross, dass eine Welt-meisterschaft zur Farce wird. Vielleicht hat Kolumbien damit eine Quittung für eine offensichtliche Dominanz im CONFEPASO Vereinsgeschehen erhalten? Die Tendenz, alle Veranstaltungen nach Kolumbien bringen zu wollen, scheint nicht bei allen Ländern Gefallen zu finden. Trotz aller Versicherungen, welche seitens der Organisation punkto Sicherheit und Quarantänevorschriften gemacht wurden, reichte dies anscheinend nicht aus, um Pferde Besitzer zu motivieren, mit ihren Juwelen teilzunehmen.


• Der 7. Mundial wird in der zweiten Novemberwoche 2005 in Puerto Rico stattfinden, im Coliseo Roberto Clemente in San Juan. Reserviert Euch unbedingt dieses Datum. Dies wird sicher ein toller Mundial werden. Puerto Rico hat als Karibik Insel auch touristisch viel zu bieten.


• Eine grössere Diskussion löste das Thema Zertifizierung der Richter aus. Es gibt eine Regel, wonach ein zertifizierter CONFEPASO Richter internationale Turniere nur mit anderen zertifizierten Richtern richten darf. Ansonsten wird er gesperrt. Dies soll die Autorität der CONFEPASO Reglemente stärken, wenn es um internationale Turniere geht. Jeder Richter muss ausserdem in seinem Herkunftsland zertifiziert sein und wird von da, wenn er im Ausland richten will, freigegeben. Es gab Probleme mit der PFHA//USA, welche ihrerseits ausländische CONFEPASO Richter zertifizieren, welche dann zusammen mit nicht zertifizierten Richtern unter dem PFHA Reglement in-ternationale Turniere wie Spectrum etc. richten. Eine Lösung welche diese „Umgehung“ des Reglements verhindert und die Interessen der PFHA und der betroffenen Richter berücksichtigt, konnte noch nicht gefunden werden.


• Ich konnte mein Anliegen vorbringen, dass Europa (inkl. die CH) anstelle der verschiedenen Ländern als eine Region gilt, welche mit 2 Delegierten Europa bei der CONFEPASO vertreten wird. Ich habe dieses Anliegen schon einige Male vorgebracht, bisher wurde das aus Reglementgründen verneint. Diesmal stiess ich auf offenere Ohren und ich habe die Erlaubnis, einen entsprechenden Vorschlag aus Europa zu präsentieren. Ich werde mich dafür mit den bestehenden Vereinen in Europa einsetzen, dass wir zusammen einen Vorschlag erarbeiten, welcher die Interessen der Paso Finos in Europa und die Zusammenarbeit mit CONFEPASO optimal vereint.


• Weitere Themen behandelten die Organisation des 6. Mundials.


6. Mundial de CONFEPASO 13.-17. November 2003
Mit einer sehr schönen Eröffnungsfeier, untermalt mit traditionellen Tanzdarbietungen des Folklore Ballets von Antioquia, wurde der Mundial eröffnet.  In den folgenden 4 Tagen konnten die ca. 32.000 Zuschauer (= ein volles St. Jakobsstadium) 764 Pasos in den verschiedenen Kategorien bewundern, die Pferde jeweils nach Geschlecht und Alter getrennt.

1. Tag Trocha y Galope
2. Tag Trote y Galope,
3. Trocha Pura Colombiana
4. Paso Fino und Bellas Forma

Beeindruckend war die perfekte Organisation auch ausserhalb des Showrings. Die PREPISTA, eine Eingangkontrolle für Pferde (Papiere, Mikrochip, Gesundheitszustand, Ein-halten der Mindestgrössen, Zahnkontrolle, Metallkontrolle, Beschlagskontrolle) und der Reiter (Lizenz und Gebiss und Sattelkontrolle) vor jeder Prüfung bedeutet ein enormer Aufwand. Diese wird jedoch sehr professionell von Tierärzten und Helfern durchgeführt. Pferde oder Ausrüstungen, welche den Regeln nicht entsprechen, werden rigoros zurückgewiesen.
Ausserdem wird jedem Siegerpferd sofort nach dem Verlassen des Showrings Blut abgenommen, stichprobenweise ebenfalls den 2-5 Platzierten. Das Blut wird in einem spezialisierten Labor auf verbotene Substanzen untersucht. Auf meine Nachfrage sagte mir der Laborchef, dass immerhin bis zu 10% der Proben positiv sind. An vorderster Stelle mit entzündungshemmenden und schmerzmildernden Mitteln, dicht gefolgt von, wen wunderts, Kokain. Bis anhin wurden die Reiter noch nicht auf verbotene Substanzen getestet.
 

Ein für europäische Verhältnisse sehr aktives Publikum richtete mit Argus Augen und teilte den Richtern im Ring jedes Mal deutlich die Publikumsmeinung mit. Auch die Reiter mussten in der Bandbreite zwischen tosendem Applaus, Buh Rufen und Auspfeifen mit allem rechnen. In Kolumbien ist man entweder Favorit oder man ist es eben nicht.
Wegen der geringen Anzahl an Pferden aus anderen Ländern blieben diesmal die Nationalen, patriotischen Länderkämpfe aus, bei denen ein ganzes Land und ihre Vertreter für „IHR PFERD“ lautstark toben, um die Richter zu überzeugen.


Sehr strikt waren die Richter mit der Einhaltung des Reglements, z.B. bei Fehlern in der Ausführung der Prüfung. Manch unkonzentrierter Reiter wurde mit seinem Top Pferd entschuldigt, weil er einen Bestandteil der Prüfung vergass, z.B. die Schlangenlinie oder das Rückwärtsrichten. Ebenso scharf wurde jeglicher Ungehorsam eines Pferdes wie leichtes Steigen oder Scheuen auf dem Fino Strip bestraft. Wenn man bedenkt, dass ein solches Pferd für zigtausend Franken nach Kolumbien geflogen wurde, 1 Monat in Quarantäne steht und danach wegen eines „ Formfehlers“ disqualifiziert wird, versteht man die zum Teil kochenden Emotionen der Betroffenen.


Über die Art und Weise, wie gerichtet wurde, kann man immer streiten. Es ist und bleibt zum Teil für das europäische Auge gewöhnungsbedürftig, welche künstlichen, zum Teil durch pure Kraft erzeugte Versammlungen, als Top gerichtet werden. Nebst sehr anstössigen Bildern sah man aber auch immer wieder schöne Pferd-Reiter Kombinationen, bei welchen die Natürlichkeit offensichtlich war. Deutlich zu sehen war der der reiterliche Unterschied zwischen den „internationalen Profi Trainern“ und der grossen Anzahl Reiter, welche zum Teil äusserst fragwürdige Techniken und Stile anwendeten. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Paso Finos auch in diesen Situationen ihre „ Gutmütigkeit“ und ihre Kooperationsbereitschaft über alle Massen unter Beweis stellten. Vielleicht zu ihrem eigenen Schaden.


Ich hatte Gelegenheit, mit interessanten Gesprächspartnern wie Dr. Raul Estrada  Londoño (Autor vieler Bücher über den Paso Fino Colombiano) über diese unsinnige Entwicklung der Versammlung über die Limite der Natürlichkeit hinaus zu diskutieren. Auch in Kolumbien gibt es viele Stimmen, vor allem von älteren Züchtern, Richtern und Tier-ärzten wie z.B. Dr. Javier Estrada Jaramillo, welche die Fehlentwicklung dieser Tendenz genauso einschätzen, wie wir das in Europa tun. Nur scheinen alle einer gewissen Hilflosigkeit gegenüber zu stehen, diesen Trend zu brechen und für ein natürlich versammeltes Pferd einzustehen, das vielleicht pro Minute eine geringere Abfuss Frequenz hat, dafür aber ein harmonischeres Bild abgibt.


Es wird interessant sein, diese Entwicklung in der Zukunft zu verfolgen. Wann kommt der Punkt, wo es kürzer, schneller, zusammengestauchter nicht mehr geht?
Traurig an allen menschlichen Fehlentwicklungen ist und bleibt, dass wir sie an einer wunderbaren Kreatur, dem Pferd, auslassen, welches die Konsequenzen unseres Handelns erdulden muss. Ich werde mich deswegen aber nicht von diesen wunderbaren Pferden und den meistens auch sehr liebenswerten Menschen abwenden, sondern im gemeinsamen Dialog dieser, aus meiner Sicht in die falsche Richtung laufenden, Entwicklung entgegentreten.
 


Schlusszeremonie
Am Schlusstag erfreuten die Organisatoren die zahlreichen Zuschauer mit einer besonderen Showeinlage mit über 40 gerittenen Maultieren, welche zum grössten Teil im schnellen 4 Takt vorgeführt wurden und damit die kolumbianische Tradition der Maultiere demonstrierten. Die Maultiere sind in Kolumbien noch lange keine Folklore und gehören als wichtiger, geleb-ter Bestandteil zur Reit - und Pferdekultur. An vielen lokalen Ferias gibt es ausserdem immer auch Klassen für die „Mulares“, an welchen die besten Exemplare prämiert werden. Mein Proberitt auf einer dieser „Bomben“ war durchaus eine neue Erfahrung und überaus bequem!
  
Den krönenden Abschluss bildete nebst der Championsparade eine Hommage an die Pferdepersönlichkeit Capuchino. Capuchino hat einen langen Weg hinter sich im Wanderzirkus der Paso Fino Stars. Noch unter seinem damaligen Züchter und Besitzer, FABIO OCHOA, wurde Capuchino zu einem der erfolgreichsten Paso Finos überhaupt. 1983 schickte Ochoa Capuchino ca. 3-jährig mit David Castro in die USA. Als junger Hengst feierte Capuchino schnell Erfolge und flog fortan von Turnier zu Turnier. Über 10 Jahre lang prägte er so das Turnier- und Zuchtgeschehen der weltweiten Paso Fino Population. Doch Capuchino wurde verschiedene Male von der amerikanischen DEA in Miami beschlagnahmt, da die Ochoa Familie damals bereits in das Visier der Drogenfahnder gelangt war. 1994 wurde er definitiv beschlagnahmt und an einer öffentlichen Auktion zusammen mit anderen Pferden zum Verkauf ausgeschrieben. Man sprach von über 2 Millionen Dollar Auktionspreis. Er ging an die Fam. Amador, welche ihn weitere 10 Jahre in Zuchtprogrammen und an Turnieren einsetzte. Allerdings durfte Capuchino das Land auf Anordnung nicht mehr verlassen. Man ahnte, dass Fabio Ochoa das nicht auf sich sitzen lassen würde. Im Jahr 2002 gab es einen weiteren Besitzerwechsel zu ZARELA OLSON, Kolumbianerin aus Medellín, in Florida wohnhaft, Besitzerin der Finca Casa de Resorte Paso Fino. Der Besitzerwechsel resultierte aus einer längeren Rechtsstreitigkeit, welche für Aussenstehende nicht genau nachzuvollziehen war.

 
Capuchino hat inzwischen über 1000 Nachkommen und wurde als Ehrengast an den 6. Mundial eingeladen. Es ist seine letzte Reise nach Kolumbien, seine ursprüngliche Heimat, bevor er nach einem Zwischenhalt in Puerto Rico, endgültig nach Florida zurückkehrt. Die Euphorie, dass Capuchino endlich zurück nach Kolumbien kommt, war enorm. Alle warteten gespannt auf die Ehrung dieser Pferdepersönlichkeit. Ich selber kenne Zarela gut und wurde von ihr gebeten, ebenfalls an der Zeremonie teilzunehmen und eine Capuchino Tochter zu reiten. Natürlich war das eine Ehre, welche ich gerne annahm. Capuchino wurde von vielen seiner Nachkommen begleitet. Zusammen mit Tänzern präsentierte sich die Pferdelegende, am Halfter geführt, dem begeisterten Publikum. Nicht wenige hatten Tränen in den Augen, dass „ihr Capuchino“ nochmals nach Kolumbien kam. Umringt von seinen ebenfalls schon berühmten Nachkommen, sah man deutlich seinen Einfluss auf die Zucht und die Geschichte der Paso Finos.
Konnte man Capuchino jedoch von nahe betrachten, sah man, dass sein allgemeiner Gesundheitszustand und seine Beine in einem ziemlich schlechten Zustand waren. Capuchino hatte bis anhin kein geruhsames Leben führen können, und wie es aussieht, wird er auch weiterhin noch nicht zur Ruhe kommen. Er ist müde, wenn auch liebevoll umsorgt von seinem Pferdepfleger Jairo. Es bleibt zu hoffen, dass auch der Grand Seigneur der Paso Finos irgendwann zu seiner verdienten Ruhe kommt.
 

Wie jedes Mal kehre ich begeistert aus Kolumbien zurück. Einmal mehr haben mich die vielen erlebten Kontraste fasziniert und die Menschen mit ihrer Herzlichkeit beeindruckt. Ich wünsche mir für Kolumbien, dass es irgendwann seine unsicheren Zeiten hinter sich lassen kann und in dem Glanz erstrahlt, welchen es verdient: ein echter Smaragd!