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PCI-Gazette 21 - Meine Geschichte

Perla Suiza, Paso Peruano Stute

Meine Geschichte, eine Geschichte


Die Geschichte von Perla Suiza, einer der ersten Paso Stuten in Europa, die im Bauch ihrer Mutter von den USA nach Zürich kam, schrieb Marlise Scheiwiller, die jetzige Besitzerin von Perla, für uns auf.


Meine Nase im Gras... ich habe lange auf diesen Moment des Glücks gewartet, am Tag in der Sonne zu liegen, in der Nacht im Mondlicht, Frühling. Habe diesen Winter scheinbar einiges an Aufregung verursacht. Zugegeben, ich hab’s diesen Winter etwas übertrieben, bin zu lange gelegen und hatte dann Mühe aufzustehen, habe meinen Blick oft etwas in die Ferne schweifen lassen…  Aber ist doch noch kein Grund zur Aufregung - eigentlich sollte man mich besser kennen, mich und meinen Lebenswillen, oder „ma rage de vivre“. Man hat mir ja oft nachgesagt, dass ich weiss, was ich will, oder weniger elegant, dass ich eigensinnig sei. Aber stur sein kann ja auch ganz nützlich sein im Umgang mit den Menschen, obwohl sie das gar nicht gerne haben und sich dann ärgern.


Am 29. April bin ich 30 Jahre alt geworden. Oft werde ich Besuchern gezeigt, und die gleiche Geschichte wird zum hundertsten Mal erzählt; was die für ein Aufheben machen um meine Person, ich werde quasi als lebendige historische Figur dargestellt, heisse ja auch PERLA SUIZA. Ja, es ist schon etwas speziell, da bringt Christoph Kolumbus per Schiff meine Vorfahren nach Amerika, und 500 Jahre später werden wir per Flugzeug wieder nach Europa gebracht. Und wir werden als Entdeckung gefeiert! Internationale Clubs werden gegründet, Spezialisten und Professoren interessieren sich für uns. Schauen und betasten immer wieder unsere Beine, diskutieren unsere Gangart. Sind ganz aufgeregt und ziehen ganz spezielle Kleider an, wenn sie uns vorführen. Wieder mal: Was für ein Glück, dass wir mit allen Vieren so bodenständig sind, wäre ja sonst zum verrückt werden.


Die letzten Jahre habe ich meine Lebenserfahrung gebraucht, habe einigen Menschen Freude gemacht. Eigentlich bin ich vor 8 Jahren an diesen Platz, nach La Chaux-de-Fonds im Neuenburger Jura, gekommen, um eine jüngere Kollegin zu begleiten. Und dann, eines Tages, wurde ein Sattel vor meiner Nase vorbeigetragen. Da konnte ich mich nicht zurückhalten und habe gewiehert, und da hat sie endlich begriffen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre und dass ich noch gerne auf die Ausritte mitkommen möchte. Dies ist eine weitere Charakterstärke von mir: Ohne falsche Bescheidenheit - ich liebe es zu arbeiten! Dann lege ich sicher 10 Jahre ab, möchte die Erste sein, die allen vorausgeht. 
 
Aber jetzt muss ich es doch einsehen, meine Beine werden schneller müde, ich werde steifer in den Hüften. Nur wenn ich den Frühling spüre oder das frische Gras wachsen höre, da geht mein Temperament mit mir durch und ich vergesse meine Steifheit und galoppiere los oder zeige ihnen nochmals, wie ich diesen schönen, regelmässigen Paso Llano hinlege, das bringt sie zum Träumen....und mich auch. Jetzt aber nur keine Nostalgie aufkommen lassen, bin noch nicht soweit, und doch: Was ist aus meiner „Familie“ geworden? Mein Nachwuchs aus meinen Begegnungen mit Dulce Sueño: Encantador und Flor de Sueño. Und dann meine lange Geschichte mit Tupac Amaru, deren Folge Gazela, Huracán, Jazmín, Miguelito und El Francès waren. Und dann noch Comanche und mein letztes, Katrina. Und meine Mutter Daphne que tal, die schöne Paso Fino Stute, die ausgewählt wurde, um Europa zurückzuerobern und die so mutig mit mir im Bauch den Flug aus den USA mit all diesem Gerumpel und dem Gebrumm der Motoren über sich ergehen liess und dann den Rummel bei der Ankunft auf dem Flughafen Kloten. Sie hat mir auch von meinem Vater erzählt, Pizarro del Valle, dem stolzen Peruaner, que potro...soll auch noch einen Halbbruder von mir in den Vereinigten Staaten geben, der erst 6 1/2 Jahre alt ist!
 
Habe diesen Frühling viele Streicheleinheiten überbracht bekommen von den Menschen, die für die Recherchearbeiten kontaktiert worden waren und möchte mich dafür bedanken. Habe gespürt, dass ich und mein Nachwuchs bei den Menschen Spuren hinterlassen haben, für einmal für Conquistadores schöne und liebe Spuren.


PS: Falls noch jemand Photos hat oder Anekdoten zu erzählen weiss über mich und meine Nachkommen, so schickt sie bitte an meine aktuelle Adresse, c/o Marlise Scheiwiller, Les Roulet 200, CH-2300  La Chaux-de-Fonds oder ma.scheiwiller@bluewin.ch, danke!