Jakobskreuzkraut
Vorsicht giftig!
Zweifellos hat sich unsere Landwirtschaft in den letzten Jahren stark in Richtung extensiverer und damit auch ökologischerer Bewirtschaftung bewegt. Gerade Pferdebesitzer freuen sich über Heu aus extensiv bewirtschafteten, artenreichen Oekoflächen und Stroh aus pestizidfreiem Getreideanbau. Leider hat diese in vieler Hinsicht sehr positive Entwicklung, wie fast alles, auch die eine oder andere Schattenseite.
Seit einiger Zeit findet man in verschiedenen Publikationen Hinweise auf ein verstärktes Auftreten des Jakobskreuzkrautes, einer Pflanze, welche insbesondere für Pferde stark giftig ist. Der Vormarsch dieser Pflanze ist zum grossen Teil auf die extensivere Landwirtschaft sowie auch auf eingeschränkte Massnahmen im Strassen und Bahnunterhaltsdienst zurückzuführen. Gerade spätblühende Pflanzen wie das Jakobskreuzkraut haben durch den ökologisch begründeten späten Heuschnitt besser die Möglichkeit, ungehindert zu versamen und sich zu verbreiten. In England ist das Jakobskreuzkraut wegen seiner raschen Verbreitung und seiner Giftigkeit bereits zu einem Hauptproblem in der Viehhaltung geworden.
Das Jakobskreuzkraut mit lateinischem Namen Senecio jacobaea gehört zur Familie der Korbblütler. Es handelt sich um eine 30-100 cm hohe ausdauernde Pflanze, welche von Juni bis August blüht. Die Blätter haben eine gefiederte Form, die Seitenzipfel stehen rechtwinklig ab. Die Blüten sind goldgelb, und zwar sowohl der innere, scheibenförmige Kranz aus Röhrenblüten als auch der äussere, strahlenförmige Kranz aus Zungenblüten (Strahlenblüten). Wenn man die Blätter zerreibt, haben sie einen sehr abstossenden Geruch. Ausser dem Jakobskreuzkraut gibt es noch andere Kreuzkrautarten, die alle ebenfalls mehr oder weniger giftig sind (Alpenkreuzkraut, Wasserkreuzkraut, Raukenblätteriges Kreuzkraut).
Die Giftigkeit des Jakobskreuzkrautes ist als hoch einzuordnen. Besonders gefährdet sind Pferde, gefolgt von Rindern. Schafe und Ziegen scheinen etwas weniger empfindlich zu sein. Beim Gift handelt es sich um sogenannte Pyrrolizidin-Alkaloide, welche zu chronischer Lebervergiftung führen. Von einer da und dort beschriebenen Verwendung der Pflanze als Heilpflanze muss dringend abgeraten werden. Am giftigsten sind die jungen Pflanzen. Giftig sind alle Pflanzenteile, wobei die Giftkonzentration in den Blüten am höchsten ist.
Auf der Weide wird das Jakobskraut in der Regel von den Tieren gemieden. Bei starkem Auftreten ist aber Vorsicht geboten, da die Pflanzen dann im Rosettenstadium vor allem von Jungtieren durchaus gefressen werden können. Das grosse Problem liegt aber darin, dass diese Pflanze, im Gegensatz zu anderen, z.B dem Hahnenfuss, ihre Giftigkeit im Heu oder in der Silage nicht verliert, dort jedoch von den Tieren nicht mehr vom Rest des Heus unterschieden werden kann und gefressen wird.
Die Vergiftungserscheinungen äussern sich in Magenbeschwerden, Koliken und starken Leberschädigungen. Eine Behandlung im akuten Fall ist beim Pferd ziemlich aussichtslos. Auch bei chronischer Vergiftung sind die Heilchancen äusserst gering. Bis zum Tod kann es aber mehrere Monate dauern.
Um eine weitere Verbreitung zu verhindern, ist eine Früherkennung wichtig. Untersuchungen der Forschungsanstalt Reckenholz bestätigen, dass das Jakobskreuzkraut vorwiegend auf Kies- und Geröllflächen, an sehr spät gemähten Strassen und Bahnböschungen, aber auch auf extensiven Weiden zu finden ist, besonders wenn diese in starken Hanglagen und schwierig zum Nachmähen sind. Es hat sich bis jetzt kaum auf andere bewirtschaftete Flächen ausgebreitet. Eine einzige Pflanze kann 150'000 Samen bilden, welche durch den Wind verbreitet werden. Um eine weitere Ausbreitung zu unterbinden muss deshalb ein Abblühen und Versamen unbedingt verhindert werden (schneiden, ausreissen, vernichten nicht liegen lassen). Dies sollte auch ausserhalb der landwirtschaftlichen Fläche geschehen. Eine dichte Grasnarbe auf der Weide, das Vermeiden von Trittschäden sowie eine Nachmahd der Geilstellen sind wirksame, vorbeugende Massnahmen.
Man sollte sich das Aussehen des Jakobskreuzkrautes in allen Stadien gut verinnerlichen. Es wird oft verwechselt mit Wiesenpippau, dem gemeinen Bitterkraut, Johanniskraut oder dem Barbarakraut. Dazu hat die AGFF (Arbeitsgemeinschaft für Futterbau) ein Merkblatt herausgegeben, welches zur Bestimmungshilfe zur Unterscheidung verschiedener Kreuzkrautarten unter sich sowie zu anderen Pflanzen dient. Dieses kann gegen eine 1-Franken Briefmarke mit einem frankierten und adressierten Umschlag bei der AGFF, Postfach 412, 8046 Zürich bezogen werden. Vorkommen von Kreuzkrautarten sollten den jeweiligen kantonalen Pflanzenschutzdiensten gemeldet werden.
Es ist sicher im Interesse jedes Pferdebesitzers mitzuhelfen, die gefährliche Ausbreitung solcher Pflanzen zu verhindern. Ist doch qualitativ einwandfreies Naturwiesenheu nach wie vor die beste Grundlage der Pferdefütterung.
Robert Zürrer
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