PF und PP Europameisterschaften in Rieden-Kreuth, 21.-25. Juli 2004
Robert Zürrer und ich hatten die Gelegenheit, von Freitag bis Sonntag an die ersten Euorpameisterschaften der Paso Finos, Paso Peruanos und der Missouri Foxtrotter zu fahren. Ganz unbelastet von organisatorischen Aufgaben konnten wir beobachten, geniessen, Ideen sammeln und gute Gespräche führen.
Vorweggenommen sei, dass die Anlage in Rieden-Kreuth eine der grosszügigsten ist, die man sich wünschen kann. Mit verschieden Reithallen, mehreren Abreithallen, Aussenplätzen, gedeckten Round Pens und Longierzirkeln, Töltbahn und unzähligen grossen Turnierboxen in festen Ställen bietet sie alles, was man braucht, um sich wohlzufühlen. Auch die Westernreiter führen ihre grossen Anlässe regelmässig in Kreuth durch.
Bei unserer Ankunft am Freitagmittag präsentierte sich uns eine sehr familiäre Atmosphäre mit – für uns – erstaunlich wenigen Zuschauern. Es erwies sich auch im Verlaufe des Wochenendes, dass die meisten Anhänger der Szene aus Familienangehörigen bestand. Vielleicht wurde etwas zu wenig Werbung in der Region betrieben? Anhand des Programmheftes informierten wir uns über die gemeldeten Pferde, Reiterinnen und Reiter. Beachtliche 90 Paso Finos standen auf der Starliste, 50 Missouri Foxtrotter und ebenso viele Paso Peruanos, wobei einige der bekannteren Gestüte fehlten, so z.B. das Gestüt Naafbachtal, die Pferde der Familie Sibbe oder oder von Mireille van Meer. Dafür kam ein Pferdehänger von so weit her wie von England: Wendy Jeffery und Yvonne Bowen mit ihren Paso Finos scheuten die weite Anreise nicht. Aber auch engagierte Schweizerinnen und Schweizer waren in Kreuth anzutreffen: Claudia und Daniel Greb mit sieben Pferden und jugendlichen Reiterinnen, Ursula und Martin Heinz mit ihren zwei Paso Finos sowie die Rancho Terrazza mit Hans-Peter Guntern und Angelika Schliecker mit zwei Pferden.
Gerichtet wurden die Prüfungen nach Rasse mit eigenen Richtern. So wurden für die Paso Finos zwei Richterinnen aus den USA eingeflogen, Sharon A. Londoño und Ellen Perez, vor Ort unterstützt durch Ellen Vierhaus. Für die Paso Peruanos zeichneten Olaf Hein, Züchter aus Peru, und Walter Feldmann verantwortlich. Mit einem Schmunzeln beobachteten wir die immer fröhlichen, gut aufgelegten amerikanischen Richterinnen, die in kurzen Röcken und Ausgehschuhen ihr Amt wahrnahmen und mit dem Aktenköfferchen in der Hand in die Halle spazierten. Auf diese Weise konnte man etwas von der Ambiente der Fino-Showszene in den USA erahnen… Die Prüfungen wurden zügig und gut organisiert durchgeführt, und besonders die Siegerehrungen animierten die Besucher auf der Tribüne jeweils zu kräftigem Mitklatschen, wenn die Siegerhymne „Stand up, stand up, fort he Champions stand up…“ erklang. Toll, wie so ein Song Stimmung zu wecken vermag!
In den Prüfungspausen schlenderten wir gerne durch die grossen Stallungen und guckten die vielen Pferde an. Alle Boxen waren mit Namen, Alter und Herkunft beschriftet, und so konnte man sich Geschichten und Abstammungen zusammenreimen und erkannte manch ein Pferd, von dem man bisher nur gehört hatte. Die Stalleinheiten waren nach Rassen getrennt, und auch sonst fiel uns auf, dass die Kommunikation unter den Mitgliedern der drei Verbände eher zurückhaltend blieb. Die Einheit wurde gewahrt… Ebenso auch am gemeinsamen Galadiner am Samstagabend im Waldhotel mit über 300 Gästen. Erst als der – übrigens sehr professionelle und redegewandte – Speaker Sebastian Frisch und Daniel Greb sich spontan ans Piano setzten und vierhändig spritzige und temporeiche Boogie Woogies von den Tasten liessen, vermischten sich die Fino, Peruano und Foxtrotter Leute doch etwas. Toll, diese Einlage die alle vom Stuhl riss, ganz besonders die amerikanischen Richterinnen, die gar nicht mehr aufhören wollten zu tanzen. Aber dennoch war irgendwann Feierabend, denn der Sonntag mit den letzten Prüfungen stand noch vor der Tür…
Höhepunkte am Sonntag waren bestimmt die Prüfungen „Gebissklasse Hengste“ für die Paso Peruanos, welche der Peruaner César Baca mit Faldero HB für sich entschied, sowie die „Classic Fino“und die „Performance“ für die Paso Finos. Spannend, wie Claudia und Daniel Greb, der amerikanische Trainer Shaw Laney und der neuerdings auf Finos umgesattelte peruanische Trainer Richard Oré sich rasante Duelle lieferten. Und: Claudia Greb entschied die bedeutende Classic Fino Prüfung mit Capistrana für sich und verwies Shaw Laney mit Ponderosa Contadora auf den zweiten Rang! Eine hervorragende Leistung, auf die die Swiss Paso Fino Farm stolz sein kann – herzliche Gratulation!
Barbara Camenzind
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