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PCI-Gazette 22 - Pasofiesta

Paso Fiesta Bellelay 11. September 2004

Noch immer sind die Pasopferde in der Schweiz wenig bekannt; man schätzt einen Bestand von etwa 150 Pferden. Es war deshalb ein Anliegen des Paso Club, die kolumbianischen Paso Finos und die peruanischen Pasos einem breiteren Publikum vorzustellen, und dies im entsprechenden Ambiente, das die Aura dieser Pferde umgibt. So wurde in Bellelay in langer Vorbereitung die passende Atmosphäre geschaffen: Im Rahmen eines kleinen Turniers wurden südamerikanische Spezialitäten, peruanische und kolumbianische Folklore und eine kleine Show im Abendprogramm geboten. Eine bunte Fiesta zu Pferden mit Brío!


Die grosszügige und sehr pferdefreundliche Anlage der Fondation Bellelay beherbergte an jenem strahlenden Septembersamstag rund zwanzig Pasopferde, deren unternehmungsfreudige Besitzer/innen den Weg in den Jura gewagt hatten. Der Grossteil der Pferde war allerdings bereits am Freitag angereist, um sich in Ruhe auf den Fest- und Turniertag vorbereiten zu können. Die Showgruppen übten ihre Choreographien, die Küche wurde aufgebaut, die Lautsprecheranlagen installiert, die Infozelte ausgestattet und der Ablauf nochmals in allen Details durchgesprochen. Für das OK und die Helfer bereits ein geschäftiger Tag, der abends im Hotel de l’Ours bei einem feinen Couscous-Essen seinen Abschluss fand.


Der Samstag präsentierte sich einwandfrei wolkenlos, und pünktlich um 11:00 startete die erste Prüfung – 30 Min. Ausdauertölt auf dem Gelände der Fondation. Erstaunlicherweise war diese Prüfung mit neun Pferden die bestbesetzte des Tages und erfreute sich eines grossen Interesses, auch unter den Zuschauern, die gegen Mittag zahlreich herbeiströmten. Nach einer Rittigkeits A1 Prüfung in der Halle ging man in die Mittagspause über. Inzwischen war die „Piazza“ der Fondation voll von fröhlichen, bunten, plaudernden und hungrigen(!) Menschen, und die Küchenmannschaft unter der Leitung von Robert und Doris Zürrer kam für Stunden nicht vom Herd weg. Etwa zweihundert Anticucho-Spiesschen (Rindsherz, die peruanische Spezialität!), sowie unzählige Naturabeef-Burger und weitere peruanische Spezialitäten wurden abgesetzt. Da die kolumbianische und peruanische Botschaft über 2000 Einladungen an ihre Landsleute in der Schweiz versandt hatten, befanden sich unter den Besuchern eine grosse Anzahl südamerikanischer Gäste, die mit ihrer ansteckenden Lebensfreude der Fiesta die richtige Ambiente gaben und für die passende Stimmung sorgten. Peruanische Marinera-Tänzer traten in der Mittagspause zwischen den Festständen auf und entzückten mit dem grazilen, kokettierenden Tanz, und eine kolumbianische Band spielte spritzige Hits. Es ist wohl nicht übertrieben, die Zahl der Besucher auf dem Festgelände am Nachmittag um die fünfhundert zu schätzen! Den Anlass geehrt haben durch ihre Anwesenheit auch die kolumbianische Botschafterin und der peruanische Botschafter.


Um 13:45 wurde das Turnier mit rassespezifischen Paso Fino und Paso Peruano Prüfungen fortgesetzt. Die Klassen waren mit drei bis sechs Pferden ausreichend besetzt. Eve Barmettler richtete einwandfrei, und das Tagesprogramm konnte ohne die geringste Zeitverschiebung pünktlich eingehalten werden. Um 18.00 bat der PCI alle anwesenden Besucher auf den Platz und offerierte einen Apéro mit regionalen Spezialitäten. Wunderbare Platten mit gekräuseltem Tête de Moine, Trauben, frischgebackenes Brot und Weisswein aus dem Jura lockten zur Stärkung vor dem abendlichen Programm. Eine Gruppe Reiterinnen und Reiter, mit einem Glas Champagner in der Hand, holte die Gäste draussen ab und führte sie wieder in die Halle, wo der kleine Showblock mit dem Champagnertölt eröffnet wurde. Es folgten u.a. Darbietungen mit einem Paso Fino in „Bellas Formas“, eine dreier- und vierer Barrida von peruanischen Pasos, Marinera Tänze und erstmals in der Geschichte des PCI: eine Präsentation einer Marinera mit Reiter und Tänzerin! Kokett und anmutig lockte die barfüssige Peruanerin mit ihrem weissen Pañuelo (Taschentuch) den Chalán, der sich vor- und zurückzog, sie einkreiste, umgarnte und sich verführen liess… Der nervenstarke Chamizo mit Arsène von Wyss meisterte diese Aufgabe hervorragend und die schwingenden, bunten Röcke irritierten ihn nicht im Geringsten. (Aber selbstverständlich hat man vorher geübt…).


Das Abendbuffet wurde um 19:30 auf dem Gelände im „Grenier des Moines“ (Mönchssaal) eröffnet, und an die 140 Personen genossen das von PCI-Mitglied James Schneider kreierte und zubereitete peruanische Menü. Es war ausgezeichnet und rundete den festlichen Tag gebührend ab. Mit folkloristischen Einlagen, Discosound und Salsa ging der Abend seinem Ende entgegen, und die letzten Gäste – nach noch einem Pisco und noch einem – machten sich gegen ein Uhr auf den Nachhauseweg. Denn am nächsten Morgen stand noch ein Halbtagesritt auf dem Programm…


Nachdem es in der Nacht heftig geregnet hatte, klärte sich der Himmel um 11:00 wieder auf, als sich die zehn Reiterinnen und Reiter unter der Leitung von Marlise Scheiwiller auf den Weg machten. Die Wolken zogen sich immer mehr zurück und der Anteil des blauen Himmels nahm von Minute zu Minute zu, bis die Sonne das Bild alleine beherrschte. In zügigem Tempo ging es durch die wunderschöne Juralandschaft, und in drei Stunden Reitzeit umrundete man die Hochebenen von Bellelay. Auf weichen Waldwegen, über feuchte Wiesen, um gigantische Tannen herum und am Schluss einen steilen Waldweg hinunter führte der Weg zurück zur Fondation. Wie schön und behaglich, dass fleissige, pferdelose Helferinnen und Helfer die hungrigen Reiter/innen mit einem perfekten Mittagessen auf dem Platz empfingen! „Causa“, Braten, Reis, Weisswein, Schokoladekuchen, Kaffee – nochmals eine gemütliche Stunde in Bellelay, bevor die Pferde verladen wurden und diese tolle Fiesta der Vergangenheit angehört.


Der PCI dankt allen Mitgliedern, Helferinnen und Helfern, die zum Gelingen dieses Anlasses beigetragen haben, ganz herzlich für ihren Einsatz und ihr tolles Engagement, das überaus geschätzt wird!


Barbara Camenzind