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Arroganz und Brío vor Gangqualität - "Quo vadis?", Paso Peruano
Kürzlich wurden in Peru, nach einem rigorosen Auswahlverfahren, zwei neue offizielle Richter der ANCPCPP gewählt. Diese beiden werden die Zuchtrichtung in Peru in den nächsten Jahren wesentlich mitbestimmen. Antonio Hudtwalker Pinilla (32) und Enrique Rizo Patrón Bazo (45) erklärten in einem Interview mit José Risso Montes, welche Kriterien für sie wesentlich sind, um die Qualitäten des peruanischen Nationalpferdes zu erhalten, respektive zu verbessern, und wie sie den Paso Peruano in zehn Jahren sehen.
Es sind Worte, die sehr nachdenklich stimmen und auch ein leicht sorgenvolles Gefühl hervorrufen. Ob es die richtige Richtung ist, die die peruanische Vereinigung einschlägt? Ob sie sich nicht von der Showszene (und dem Absatzmarkt!) der USA verleiten lässt? Wie drückt sich Arroganz im Körper und im Charakter aus? Wollen wir ein arrogantes „Flaggschiff", das sich Brust voran seinen Weg freischaufelt? Ein schön versammeltes Pferd, leicht an der Hand und mit zufriedenem Ausdruck drückt wohl kaum Arroganz aus, sondern konzentrierte, aufmerksame Mitarbeit und Partnerschaft – das, was uns Freude macht.
Da Peru auch im eigenen Land Mühe hat, einen Markt für seine Pferde zu finden, wäre es sicher ein Gedanke wert, an die potentielle Freizeit- und Distanzreiterszene zu denken, die mit stabilen, willigen, gehfreudigen Pferden mit einem angemessenen Quantum an Brío gut bedient wäre.
Übersetzung Barbara Camenzind, entnommen der Zeitschrift „Orgullo del Perú", Dezember 2004 (leicht gekürzt).
Wie würden Sie Ihr Idealpferd beschreiben, das Sie zu richten hätten?
Antonio Hudtwalker
(AH): Ich persönlich würde ein Pferd, das keine Arroganz, keinen Stolz zeigt, gar nicht beachten. Ich möchte damit nicht sagen, dass all die anderen Qualitäten nicht wichtig wären, aber ein Pferd, das seinen Kopf stolz erhoben trägt, verkauft sich! Nicht vom kommerziellen Standpunkt her, aber es zeigt seine Brillanz. Es ist klar, dass der Gang immer die Essenz unserer Rasse sein wird und daher auch die Priorität haben wird, die er verdient. Als weiteres würde ich eine gelöste Schulter hoch bewerten, und natürlich die unserer Rasse eigenen, typischen Merkmale wie Termino und Aktion. Dies sind die drei Elemente, die ich von meinem Idealpferd verlangen würde. Es ist selbstverständlich, dass diese Eigenschaften in einem harmonischen Körperbau vereinigt sein müssen, der Langlebigkeit und Stärke garantiert, ohne Brío und Temperament des Pferdes auszuschliessen.
Enrique Rizo Patrón
(ERP): Ich würde für mich die folgende Reihenfolge wählen: Erstens sollte das Pferd einen lateralen, sauberen Gang zeigen, dies ist schliesslich die Essenz unserer Rasse. Und es sollte sich dabei weich, beweglich und mit einer natürlichen Leichtigkeit fortbewegen. In anderen Worten, es sollte seinen Reiter erschütterungsfrei und ohne unnötige Energieverschwendung tragen können. Wir sollten der Hinterhand grosse Beachtung schenken. Sie ist der Motor, der dem Pferd Kraft und Impulsion zum Vorwärtsdrang gibt. Deshalb brauchen wir Pferde mit einem kräftigen und muskulösen Rumpf und mit soliden Sprunggelenken und Fesseln. Die Hinterhand sollte gut unter die Rumpfmasse treten, um mit jedem Schritt mehr Boden zu gewinnen. Der Schweif liegt idealerweise am Rumpf an, bleibt still (er sollte nicht schlagen) und vermittelt den Eindruck, als ob er sanft über den Boden wischen würde. Der Hals ist wohlgeformt, der Kopf elegant mit ausdrucksvollen Augen, die beim Reiten den Eindruck von Stolz vermitteln. Im übrigen bin ich gleicher Meinung wie Tony. Ich glaube, die Arroganz spielt heutzutage eine grosse Rolle bei der Bewertung eines Pferdes. Es ist absolut wichtig, exzellente Gänge zu haben, aber dies reicht nicht – wir müssen weiter gehen.
Glauben Sie, dass die Arroganz in zehn Jahren ein Hauptkriterium bei der Bewertung der Rasse sein wird?
AH: Auf jeden Fall. Auch wenn ich ohne jeden Zweifel anerkenne, dass der Paso Llano die Essenz unserer Rasse ist, kann ich mir kein gutes Pferd vorstellen, das sich nicht stolz erhobenen Hauptes präsentierte, so gut die Gangqualität auch sein mag.
ERP: So ist es. Ich glaube, dass wir heute an den Turnieren einen sehr hohen Standard erreicht haben, was den Gang betrifft, nun müssen wir beginnen, die Tiere nach weiteren Eigenschaften zu qualifizieren.
Wenn wir in die Zukunft blicken, welche Eigenschaften würden Sie bestrafen, welche positiv anerkennen? Was glauben Sie, sollte in der Rasse eliminiert und was hervorgehoben werden?
AH: Ich glaube, dass es die Ausgewogenheit aller Eigenschaften eines Pferdes ist – sowohl der Qualitäten als auch der Defekte – welche seine Klassifizierung bewirken. Will man neue Qualitäten gewinnen, muss man dafür leider oft andere opfern. Ich bekenne, dass ich persönlich einige Qualitäten opfern würde zu Gunsten vermehrter Arroganz und Termino/Aktion.
ERP: Wert gelegt werden sollte auf die Suche nach dem perfekten Winkel: Sprunggelenke, Fesselung und Schultern – diese sind die Basis für den natürlichen Gang, den unsere Pferde anbieten. Manchmal trifft man auf Pferde, die diese ideale Winkelung nicht haben und dennoch tadellos laufen. Meiner Meinung nach können sie aber nicht dieselbe Gesundheit und Lebensdauer haben wie ein Pferd mit idealer Winkelung.
Es scheint, dass Sie beide der Ansicht sind, dass der Körperbau (Conformation) der Eckstein von allem ist…
AH: Absolut. Alles wird dort gestützt. Wir dürfen nicht vergessen, dass es eine morphologisch-funktionelle Relation gibt. Zum Beispiel wird uns eine angemessen schräge Schulter eine lockere Vorhandaktion ermöglichen, und eine gute Neigung der Kruppe wird es der Hinterhand erlauben, besser unterzutreten. Aber Conformation selbst garantiert nicht alles; es gibt tatsächlich morphologisch äusserst korrekte Pferde, die aber die von uns erwartete Gangmechanik nicht bringen. Sie sind in der Minderzahl, aber es gibt sie. Es sind eben auch andere Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, wie Arroganz und Brío. Und deshalb kommen wir wieder zum Schluss, dass alles eine Frage der Ausgewogenheit der Elemente ist.
Was denken Sie über die Grösse der Rasse?
AH: Wir sollten daran arbeiten. Wir brauchen etwas grössere Pferde, um mit anderen Rassen der Welt mithalten zu können, aber immer auf unsere ganz besonderen Rassemerkmale bedacht.
ERP: Ja, wir könnten in der Grösse noch etwas zulegen, doch ist dies nicht meine Priorität. Ich ziehe es vor, wenn wir uns auf die Arroganz und Ausstrahlung der Pferde konzentrieren. Die Durchschnittsgrösse unserer männlichen Tiere beträgt zur Zeit 1.47 m bis 1.52 m, was mir angemessen erscheint. Ich befürchte, dass unsere Rasse, die als „bodennah" gilt, durch mehr Grösse im Gesamtbild an Harmonie und Gleichgewicht verlieren könnte.
Ziehen Sie Termino oder eine hohe Aktion vor?
ERP: Eine Kombination von beiden. Aber sie müssen elegant, locker und natürlich ausgeführt werden und dürfen die Gangqualität nicht beeinträchtigen.
AH: Es braucht beides.
Was passiert, wenn ein Pferd locker und gelöst ist, ihm aber der Termino oder die Aktion fehlt?
AH: Ich befürworte dies nicht. Das Tier gäbe einen hervorragenden Reitwallach.
ERP: Solch ein Pferd wäre klar nicht mein Favorit. Aber ich würde es tolerieren, wenn es – trotz wenig Vorhandaktion – dafür einen hervorragenden Stil, Stolz und Arroganz anbieten würde. Ein solches Pferd könnte durch seine Ausstrahlung ins Auge stechen und sich ebenfalls vor anderen auszeichnen.
Welche wird heute als die ideale Gangart betrachtet?
ERP: Ich würde sagen, natürlicher Paso Llano, wobei das Pferd in der Lage sein sollte, diesen in Richtung Sobreandando zu verstärken.
AH: Ich stimme mit Enrique überein. Vielleicht sind die Gateado Pferde die bequemsten, doch sie tun sich schwerer mit dem Beschleunigen.
Denken Sie, dass das Tempo heute eine wichtige Rolle spielt?
ERP: Nicht das Tempo selbst, denn wir richten an Turnieren nicht nach Geschwindigkeit, aber das Pferd sollte zeigen, dass es die Qualität des Impulses hat, vorwärts zu gehen, wenn es geschickt wird.
AH: Klar, wichtiger als die Geschwindigkeit ist die Fähigkeit, zu beschleunigen!
Was sollten Ihrer Meinung nach die Richter tun, um zu einheitlichen Kriterien zu finden?
AH: Ich bin etwas skeptisch, aber wir müssen daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen. Jeder Richter hat seine eigenen Prioritäten, die nicht alle mit ihm teilen. Ich glaube dass es sehr wichtig ist, sich untereinander auszutauschen, dass gemeinsame Sitzungen, Theorie und Praxis helfen werden, einen einheitlichen Massstab zu finden. Richter sollten sich bewusst sein, dass sie ein grosse Verantwortung tragen für die genetische Entwicklung der Rasse. Wo würde es hinführen, wenn es keine einheitliche Orientierung gäbe?
Es kann gesagt werden, dass der Paso Peruano früher ein Arbeits- und Reisepferd war. Wie könnte man ihn heute definieren? Ein Turnierpferd?
ERP: Die Realität zeigt uns, dass unser Pferd heutzutage ein Turnier-, Freizeit- und Showpferd ist. Die Tatsachen nicht beim Namen nennen zu wollen würde bedeuten, an einer längst vergangenen Romantik festhalten zu wollen. Der ursprüngliche Gebrauch des Pferdes hat sich gewandelt.
AH: Was aber nicht heissen will, dass es nicht wieder einmal zum Arbeitspferd werden kann. Ich würde sagen, wenn es heute keines mehr ist, dann auf Grund der landwirtschaftlichen Entwicklung.
Wie stark haben sich die Richterkriterien gewandelt im Vergleich zu früheren Jahrzehnten?
AH: Ich glaube, nicht sehr stark. Was sich definitiv verändert hat, ist das Pferd selbst. Wenn wir alte Videos betrachten ist es offensichtlich, dass die Pferde damals nicht diese Arroganz in sich trugen, wie sie heute üblich ist. Ein Kriterium, das sich auch verändert hat, ist zum Beispiel die Bewertung der Impulsion vor dem Übertritt.
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