Der Trocha beim Caballo Colombiano de Paso
Die Gangarten des Caballo Colombiano de Paso werden in verschiedene Modalitäten eingeteilt. Es gibt nicht nur den bei uns am weitesten verbreiteten „Tölt“ – eben den Paso Fino – sondern es gibt in Kolumbien Paso Pferde verschiedenen Typs, die eine Variation der bequemen Viertaktgangart anbieten. Eine davon ist der sogenannte „Trocha“. Weitere Gangvariationen des Caballo Colombiano de Paso sind „Trote“ und „Trote y Galope“. In diesem Artikel wird der „Trocha“ näher betrachtet und beschrieben.
Autor: Jaime Mejia Escobar. Artikel entnommen der „American Trote and Trocha Association“, unter www.usatta.org/information.htm. Übersetzung/Adaption B. Camenzind.
Das Wort „Trocha“ bedeutet laut spanischem Wörterbuch „eine ausgedehnte Einöde“, die als Weg benutzt werden kann, oder „eine Schneise in dichtem Gestrüpp“. Diese Vorstellung hilft beim Verständnis des Wortes „Trocha“, jener weitverbreiteten Gangart in Kolumbien. „Trochar“ bedeutet aber auch „traben“. In unserem Fall definieren wir die Gangart Trocha als einen sehr kurzen und schnellen, gebrochenen Trab ohne Schwungphase, der von grosser Bequemlichkeit für den Reiter ist.
Trocha ist in den Genen der Paso Pferde vorhanden und taucht bereits in alten Beschreibungen auf. Noch zu Zeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis Anfangs 20. Jahrhundert war er als bequeme Reisegangart sehr beliebt. Auch für die tägliche Arbeit auf den Feldern und für den Trieb der Rinderherden wurde diese Gangart mit Vorliebe geritten. Trocha setzt sich aus einem diagonal ausgeführten Bewegungsmuster zusammen, bei dem acht Phasen unterschieden werden können – aber ohne Sprungphase; mindestens zwei Hufe stützen immer (siehe Grafik). Der „Paso Fino“ hingegen richtet sich lateral aus, mit isochronem 4-Takt. Im Trocha hören wir ein Klangmuster im Sinne von „trah trah trah trah“, einem Rhythmus, der dieser Gangart ganz eigen ist. Der Trocha ist demzufolge ein diagonaler Viertakt, in dem der vordere Fuss 1 Phase vor dem hinteren, diagonalen Fuss aufsetzt. Also vorne rechts, hinten links, vorne links, hinten rechts.
Trocha ist in Kolumbien die bevorzugte Gangart im Gelände und auf Naturpfaden (eben den „trochas“), von denen das ganze Land überzogen ist. Er ist gegenüber dem Tölt des Paso Fino energiesparender und ermöglicht trotzdem ein sanftes, erschütterungsfreies Fortkommen (Anmerkung: im Vergleich zum Trab).
Wenn wir von Trocha sprechen, müssen wir uns in diejenigen Zeiten zurückversetzen, als die Pferde noch das einzige Transportmittel waren; zudem auch Gefährten des Menschen im täglichen Leben bei der Arbeit und rechte Hand bei all den vielfältigen, anspruchsvollen Aufgaben, die die Kolonisation Südamerikas mit sich brachten. Sie boten natürlicherweise den weichen, erschütterungsfreien Trocha an. Auf langen, unwegsamen Strecken war er die bevorzugte Gangart, und auch Paso Finos ruhten sich zwischendurch gerne im Trocha aus, wenn man ihnen die Zügel etwas länger liess. In diesen früheren Zeiten hat man noch kein Aufhebens darum gemacht, ob das Pferd nun Trocha, Trote oder Fino läuft. Das Pferd war in erster Linie Arbeitstier und wurde wegen seines bequemen Gangs und seiner Ausstrahlung (Brío) wegen geschätzt, und man erfreute sich ganz allgemein an einem schönen, trainierten Tier. Erst unsere heutige Zeit hat diese Gangvarianten analysiert und daraus eigene Modalitäten gemacht, die an Turnieren separat bewertet werden und so der Vielfalt an Gangvariationen, die die kolumbianischen Gangpferde anbieten, Rechnung tragen.
Die ersten öffentlichen Präsentationen von Pferden fanden früher im Rahmen landwirtschaftlicher Ausstellungen statt, in kleinen Dörfern in ländlichen Gegenden. Da weder Ställe noch Boxen zur Verfügung standen, versammelte man sich auf dem Dorfplatz. Die Richter wurden vom Bürgermeister und den Organisatoren ausgewählt. Sie rekrutierten sich aus den Hacienderos der Umgebung, denen herausragende Pferdekenntnisse nachgesagt wurde. Die Richtlinien, nach denen gewertet wurde, folgten dem damaligen Geschmack, der Erfahrung, die man hatte und dem geschulten Blick für ein allgemein gutes Pferd. Erkoren wurden der beste Hengst und die beste Stute, ohne zu unterscheiden, in welcher Gangmodalität sie sich präsentierten.
1946 wurde der erste Pferdeverband Kolumbiens ins Leben gerufen, die ASDEPASO, die nun Regeln und Prüfungen festlegte und erstmals Klassen nach Alter und Geschlechtern trennte. In den folgenden Jahren arbeitete die ASDEPASO eine Prüfungsordnung aus, die die Pferde auch nach ihrer regionalen Herkunft unterschied: Calentanos und Sabaneros. Ursache dieser nun differenzierten Betrachtung war die Beobachtung, dass die Pferde aus Bogota, Ubate und dem Chinquinquira Tal den „feineren“ (Fino) Gang hatten als diejenigen aus Calentano. Diese Sabanero Pferde kamen aus einer relativ ebenen Region, wohingegen die Calentanos aus einer bergigen Umgebung stammten. Diese typografischen Unterschiede formten die Gangmechanik der Pferde. Diese Einteilung blieb bis zum Jahre 1953 erhalten, als die Regeln erneut angepasst wurden und nicht mehr nach Regionen unterschieden, sondern neu nach rein gangtechnischen Gesichtspunkten gewertet wurde.
1952 lud die USA erstmals kolumbianische Aussteller ein, um ihre Pferde in Nordamerika vorzustellen. Die bis dahin unter dem Namen „Paso Castellano“ bekannte Rasse wurde auf dieses Ereignis hin von der ASDEPASO in „Caballo Colombiano de Paso“ umgetauft, um die Herkunft klar zu bezeichnen.
Die Turnier-Reglemente der ASDEPASO veränderten sich mit der Zeit weiterhin und begannen immer mehr, die Gangmodalitäten in sich zu unterscheiden: In Paso Colombiano (Paso Fino), Trocha, Trote, Trote y Galope etc. Als der Trocha dann als eigene Modalität festgelegt und anerkannt war, wuchs seine Gewichtung an den Turnieren erheblich.
Einem guten Pferd war es früher ohne Anstrengung möglich, beide Modalitäten in bestmöglicher Manier auszuführen, die Unterstützung durch reiterliche Fähigkeiten vorausgesetzt. Trocha ist eine bodennahe, sanfte und entspannte Art des sich Fortbewegens, das Produkt von gezielter Zucht reiner Blutlinien. Heute wird vor allem Wert auf mehr Tempo, Versammlung und höhere Aktion der Vorhand gelegt (Einfluss des Hengstes Don Danilo), was allerdings auf Kosten der Weichheit geht.
Seit den 1960-er Jahren geht die Tendenz bei Züchtern und Richtern unzweifelhaft dahin, die Blutlinien immer mehr in Richtung einer bestimmten Modalität zu züchten, einem reinen Fino oder einem reinen Trocha Pferd. Dank diesen Anstrengungen haben wir heute diese grosse Qualität an Caballos Colombianos de Paso. Der Trocha hat sich inzwischen weit vom Paso Fino entfernt, was allerdings auch zu einem grossen Teil dem Training und Handling der Ausbilder zuzuschreiben ist. Gerade bei jungen Paso Pferden kann man immer wieder beobachten, wie sie zu Beginn ihres Trainings ganz natürlich Trocha oder Trab anbieten und erst mit den wachsenden Anforderungen an ihre Ausbildung und Versammlung sich schliesslich im Paso Fino etablieren.
Trocha ist eine echte Ergänzung zum Paso Fino, wenn er in den Feldern während der Arbeit oder auf unwegsamem Gelände ausgeübt wird und das Pferd damit dem Reiter mehr Komfort und Ausdauer ermöglicht.
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