Reitkurs bei Alfonso und Karin Aguilar in Mexiko
Huguette und Oskar Zemp hatten im Februar dieses Jahres die tolle Gelegenheit, bei Alfonso und Karin Aguilar in Mexiko einen Kurs zu besuchen. Ihre einmaligen Erlebnisse hat Huguette für den PCI hier festgehalten.
Der Februar ist die beste Zeit für einen Besuch im Michoacan-Staat. Die Temperaturen sind bereits mild, ca. 12° C bis 24°C. Es ist eine trockene Zeit und der mexikanische Winter ist vorbei. Danach kommen einige Monate mit täglichen sehr starken Regenschauern, und vieles ist plötzlich unter Wasser, so zum Beispiel die Reitanlage von Aguilar’s. Darum findet der dreiwöchige Kurs auf der Ranch von Alfonso und Karin jedes Jahr jeweils im Februar statt.
Weil wir hier in der Schweiz schon einige Kurse bei Aguilar besuchen konnten, bekamen wir Lust auf mehr und flogen Ende Januar nach Morelia, der Hauptstadt von Michoacan. Von da aus ging’s mit dem Auto 60 km weiter nach Patzcuaro, wo unser Hotel reserviert war.
Mexico City ist mit 18 Mio. Einwohnern ein Koloss von einer Stadt, Morelia mit 450'000 für schweizerische Verhältnisse immer noch riesig, und Patzcuaro mit ca. 50'000 ein hübsches, ruhiges Provinzstädtchen. Zur einheimischen Bevölkerung hatten wir einen sehr guten Kontakt, wurden immer freundlich begrüsst und bedient. Sogar im engsten Getümmel der Märkte und sonstigen Anlässe war es uns wohl. Gemäss Alfonso gilt diese Gewaltlosigkeit und Touristenfreundlichkeit leider nicht überall im Lande. Er hatte da schon einige schauderhafte Geschichten auf Lager... Der Kurs war mit 7 Teilnehmern voll besetzt. Fast alle kannten sich von früheren Kursen her und die Stimmung war sofort super. Jeder bekam sein “Pflegepferd“ zugeteilt und ritt es bis zur Kursmitte. Dann mussten wir uns schweren Herzens von ihm trennen und die Pferde tauschen. Die erste Auswahl trafen Alfonso und Karin an Hand ihrer Erfahrungen und das zweite Pferd durften wir selbst aussuchen, bzw. in Absprache mit Aguilars. Erstaunlicherweise stimmten die Namen der von ihnen für uns bestimmten Pferde weitgehend mit denjenigen unserer „Wunschkandidaten“ überein, die wir aufgeschrieben hatten.
Zum vielfältigen Programm gehörten:
- Theorie über Anbindetechniken - Theorie über Seitengänge - Sitzübungen auf der sich drehenden und kippenden „Metall-Kuh“ und auf dem Pferd - Roping mit der elben Kuh - Freiheitsdressur und Bodenarbeit - Doppellongenarbeit - Trail-Parcours sowohl geritten als vom Boden aus, mit und ohne Führstrick - Rinderarbeit-Vorbereitungen mit einer selbstentwickelten Kuh-Attrappe (tolle Sache !!) - Dann natürlich LIVE: Working Cow-Horse im Team oder alleine - Trail mit den Rindern. - Tagesritte, die zum grössten Teil mehr mit Hindernis- denn mit Ausreiten zu tun hatten. Aber mexikanische Pferde kommen überall durch, kein Problem! - Garrocha-Reiten, eine faszinierende Möglichkeit, das zügelunabhängige Reiten zu üben - Erlernen der diversen Seitengänge, des fliegenden Galoppwechsels und weiteres mehr. - Dann das Highlight: die jungen wilden Pferde, für jeden Teilnehmer eins. Mit ihnen konnten wir die Cowboy-Arbeit eine Woche lang so richtig nah erleben. Das erste Einfangen, dann Halfter anziehen, Halfterführigkeit lernen, an Trail-Hindernisse gewöhnen und arbeiten, Hufe ausschneiden, verladen und sogar am Schluss den Sattel auflegen.
Dies alles immer möglichst selbstständig. Alfonso und Karin waren immer in der Nähe und gaben uns Anweisungen, liessen uns aber sehr viel Freiraum, das war einmalig. Die Pferde von Aguilars sind alle sehr gut und fein ausgebildet. Es war wirklich sehr bereichernd mit ihnen und unter der Leitung von Karin und Alfonso zu üben. Wir haben alle ganz viele „Aha-Erlebnisse“ mit nach Hause nehmen können. Nebst dem reiten wurden wir kulinarisch von Aguilar’s Köchin so sehr verwöhnt, dass einige sie am liebsten in die Schweiz holen möchten! Sie ist eine typsche Mexikanerin, klein, rund, immer ein Lachen in ihrem hübschen Gesicht, ihr wunderschönes Haar kunstvoll geflochten: eine Bilderbucherscheinung. Sie kochte für uns die alltäglichen Gerichte, die die Mexikaner so gerne essen.Echter geht’s wohl nicht... auch was die Schärfe betrifft ;-)
Während einer zweitägigen Reise nach Guadalajara wurden wir in die Geheimnisse der Tequila-Herstellung eingeführt und besuchten eine echte mexikanische Rodeo-Veranstaltung. Hier geht es nicht gerade zimperlig zu und her, weder mit den Pferden noch mit den Rindern. Doch war es spannend zuzuschauen und die verschiedenen Disziplinen wurden uns von Alfonso, der in jungen Jahre auch dabei war, erklärt.
Und dann war da noch die Pilates-Meisterin, die uns etwa jeden zweiten bis dritten Tag nach dem reiten und bei herrlichem Sonnenuntergang mit ihrem Charme bezauberte und uns zu Höchstleistungen motivierte. Beim ersten Versuch, die anspruchsvollen Übungen zu meistern, gab es viel Gelächter und auch einige verzweifelte „ich-kann-das-nie“ Gedanken. Doch mit jedem Abend gewannen wir an Beweglichkeit und Gleichgewicht. Wir freuten uns alle immer mehr auf die Pilates-Übungen mit dem Gym-Ball. Diese Abwechslung wurde von Alfonso und Karin organisiert, weil sie selbst erfahren hatten, wie förderlich es für den Sitz, die Beweglichkeit und die Balance beim Reiten sein kann. Auch das Schönste geht mal zu Ende, so schwer es uns auch gefallen ist, am 22. Februar flogen wir wieder in Richtung Schweiz. Die unendliche Geduld auf dem Reitplatz, die Gastfreundschaft und die Grosszügigkeit von Alfonso und Karin waren einmalig. Das Hotel war sehr gepflegt und die Leute nett, der ganze Kursablauf perfekt organisiert. Gerne kommen wir wieder !!
Huguette und Oskar Zemp
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