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1. Weltkongress des Peruanischen Pasopferdes in Lima, 22./23. April 2005
(Primer Congreso Mundial de Asociaciones de Criadores y Propietarios
de Caballos Peruanos de Paso)
Vom 22. bis 23. April fand in Lima im Rahmen des Concurso Nacional der erste Weltkongress für Peruanische Pasopferde statt. An die 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Ländern besuchten diesen hervorragend organisierten und interessanten Kongress. Vom PCI waren Fried Bauer und Barbara Camenzind mit dabei.
Den Auftakt zu diesem prestigeträchtigen Anlass bildete ein Empfang am vorhergehenden Sonntagabend in einem der schönsten Kolonialhäuser des historischen Lima, der Casa Goyeneche. Im laternenbeleuchteten Patio empfingen einige Pantomimenschauspieler die Gäste. Als spanische Señoras in rot und schwarz mit Fächer oder als galante Edelmänner huschten diese einer vergangenen Zeit entsprungenen Figuren durch den Hof und wiesen die Ankommenden herein. In der warmen Atmosphäre des Salons, auf Sofas und in breiten Lehnstühlen ergaben sich erste Gespräche. An den Wänden leuchteten prächtige Barockbilder von lächelnden Erzengeln und Madonnen. Mit einer kurzen und herzlichen Ansprache begrüssten der Präsident des Organisationskomitees, Álvaro Carulla, und der Präsident der ANCPCPP, Aníbal Vásquez, die Kongressteilnehmer, worauf zwei bezaubernde Vorführungen einer Marinera Norteña und einer Marinera Limeña folgten. Álvaro Carulla liess sich zum Mitmachen überreden und erwies sich – zur Freude der Anwesenden – selbst als charmanter Marinera Tänzer. Dann wurde das Käse- und Früchtebuffet eröffnet und der Smalltalk nahm seinen Lauf…
Fortgesetzt wurde der Kongress am darauf folgenden Freitag im Mariott Hotel, das direkt am Meer lag und den Teilnehmern einen weiten Blick über die Bucht von Lima bescherte, bis hinaus auf die Dünen, die die Stadt umgeben. Diejenigen Konferenzteilnehmer, die kein Spanisch sprachen, besorgten sich am Eingang einen Kopfhörer, denn es erfolgte eine Simultanübersetzung ins Englische. Der Seminarraum war mit modernster Technik ausgestattet, mit Übersetzerkabinen und einer fest installierten Grossleinwand, auf der die Referenten übertragen wurden. Der Kongress wurde nun vom Bürgermeister von Lima, Dr. Luis Castañeda Lossio, mit klugen, warmherzigen und engagierten Worten zu Gunsten des peruanischen Pferdes eröffnet, das er als schützenswertes Kulturgut Perus bezeichnete. Auf die Minute genau dem Zeitplan folgend, begann der erste Teil der Konferenz, die in folgende Themengebiete unterteilt war: Richten; Morfologie des peruanischen Paso Pferdes; Zuchtbuch; Schulung, Entwicklung und Zukunft eines Paso Peruano Züchters.
Richten
Der gewählte Richter des diesjährigen Concurso Nacional, Roque Benavides, referierte zu diesem Tagungsschwerpunkt, und ein paar prägnante Aussagen sollen hier festgehalten werden:
1) Er anerkennt ganz klar die argentinisch gezüchteten Paso Peruanos, denn in früheren Zeiten erstreckte sich das peruanische Königreich bis nach Argentinien hinein und die peruanischen Paso Pferde waren im Norden Argentiniens weit verbreitet. Dies spricht auch dafür, dass am Concurso ein argentinischer Hengst den Preis für den besten Gang (Premio Pisos) gewonnen hat.
2) Der Paso Llano ist die absolut erwünschte Gangart, und Roque Benavides befürwortet das Reiten auf Tempo in keiner Weise. Auch am Turnier rief er immer wieder dazu auf, das Tempo zu mässigen.
3) Er wurde gefragt, warum man in Peru nicht nach einem Punktesystem richte. Seine klare Antwort: Wir klassifizieren die Pferde, wir qualifizieren sie nicht!
4) Was sind die Richterschwerpunkte? Seiner Meinung nach in erster Linie der Gang, Aktivität der Hinter- und Vorhand, Elastizität, Termino, Aktion, Übertritt. Natürliche Ausstrahlung, Weiblichkeit, Männlichkeit, Temperament und Brío. Conformation (anatomische Harmonie), Gesundheitszustand. Aber auch die Einheit von Pferd und Reiter.
5) Ist die Zeitdauer einer Prüfung festgelegt? Nein, diese sollte nicht fixiert werden, ist abhängig von der Grösse der Klasse. Die Prüfung dauert so lange, bis sich die Richter einig sind.
6) Er betonte auch, wie wichtig gegenseitiger Respekt sei! Respekt des Richters gegenüber dem Publikum, gegenüber den Reitern und seinen Mitrichtern. Aber auch – und da hat er seine eigenen, negativen Erfahrungen gemacht – Respekt der Reiter, Besitzer und des Publikums gegenüber dem Richter. (Das sollten auch wir in Europa beherzigen!).
7) Ziel des fundierten Richtens: Gemeinsame Richtlinien und Richtschwerpunkte finden (die Richter unter sich).
8) Auf die Frage, warum nie auf die weiche Fesselung hingewiesen wird, die diplomatische Antwort: Man soll immer die positiven Eigenschaften erwähnen, und den Züchter nicht blossstellen wegen ein paar fehlerhaften Exemplaren.
9) Interessant: Es gibt in Peru kein Richtermanual, keine Richtgrundlagen. Man hält sich an die Vorgaben der Rassebeschreibung (el „patrón“ de la raza).
Die folgenden Round Table Teilnehmer Cheryl Aldrich (USA) und Juan José Vivas riefen die ANCPCPP zu unserer Freude deutlich dazu auf, den Zuchtschwerpunkt auf ein langlebiges und stabiles Pferd zu legen; Showtiere nützten dem Freizeitreiter wenig.
Morfologie
Der nächste Punkt auf der Liste behandelte die Morfologie des Paso Peruano und schloss auch das Thema DSLD nicht aus. Dieser ist im übrigen in vielen Pferderassen verbreitet, am höchsten bei den Standardrassen (5.20 % Anteil, beim Paso Peruano 4.70 %). Anhand von Dias erfolgte anschaulicher Unterricht, der mit einem exquisiten Ausflug am Mittag zu einem Züchter in Cieneguilla fortgesetzt wurde. Vier grosse Reisebusse brachten die Kongressteilnehmer in einer stündigen Fahrt, zuerst durch die Stadt, dann durch die Wüste, zu einer Oase, wo uns einer der renommiertesten Züchter Perus, José Miguel Morales, auf „Criadero La Maestranza“ erwartete. Von der staubigen Strasse traten wir durchs Eingangstor und fanden uns in einer anderen Welt wieder. Es war grün, schattige Eukalyptusbäume säumten das Anwesen, und auf dem englischen Rasen fanden wir für 250 Personen gedeckte Tische vor und ein grosses, traditionelles peruanisches Buffet mit erlesenen Köstlichkeiten. Zuerst natürlich aber der Aperitif mit Gebäck, von Dienern in weissen Handschuhen dezent serviert. Und zwischen Mittagstisch und Dessertbuffet unterrichtete Carlos Yori anhand eines Pferdeskeletts, das mitten im Garten aufgestellt war, sehr anschaulich die wichtigen Eckpunkte in der Konformation des peruanischen Pferdes. Wobei er unter anderem auch bemerkte, dass die verbreitete Annahme, dass der Paso Llano rein isochronisch (zeitgleiche Viertaktphase) sei, nur der Theorie entspräche; keine zwei Pferde auf der Welt würden gleich laufen…
Zuchtbuch
Der zweite Tag befasste sich mit den Themen Zuchtbuch/Herdebuchführung, dessen Sinn und Zweck mit folgenden Stichworten zusammengefasst werden kann:
- Reinhaltung der Rasse - Genetische Reserve - Information/Orientierungshilfe für den Züchter
Edith Grandy, Züchterin aus den USA und Teilnehmerin am Round Table, wünschte sich eine weltweite Vernetzung der Herdebücher, damit die Genealogie eines Tieres weltweit verfolgt werden kann (auch bei Export der Pferde nach USA oder Europa). Die ANCPCPP hat den Vorschlag zur Kenntnis genommen.
Neu kann auf der Homepage der ANCPCPP gegen Anforderung eines Passwortes Einsicht ins Zuchtbuch genommen werden. Aufbau, Möglichkeiten und Suchfunktionen werden erklärt.
Schulung, Entwicklung und Zukunft des Paso Peruano Züchters
Das letzte Themengebiet des Kongresses widmete sich der Entwicklung, Ausbildung und Zukunft eines Züchters peruanischer Pasopferde. Eduardo Risso Montes frägt, was Züchter sein bedeute? Nicht das Produzieren von Tieren, sondern die Verbesserung der Rasse! Ein guter Züchter sollte ein klares Bild von dem Pferdetyp haben, den er schaffen möchte. Es ist seine Aufgabe, andere Züchter zu besuchen, an Turnieren teilzunehmen, Pferde zu studieren, sich Informationen und Statistiken zu beschaffen und über die Defekte der Rasse unterrichtet zu sein, dies alles mit dem Ziel, seinem gewünschten Pferdetypus näherzukommen. Es sei heute auch erwiesen, dass die Stuten – die Mütter – einen grösseren Einfluss auf die Nachzucht hätten als die Hengste. Und eine gute Zuchtstute müsse jeder Züchter in jahrelanger Arbeit selbst heranzüchten, denn kaum ein anderer Züchter würde seine Topstuten verkaufen. Stuten, die die Rasse in letzter Zeit wesentlich beeinflusst haben, sind: Sultana, Centella, Andaluza und Milagro.
Als häufigste Fehler der Züchter bezeichnet Eduardo Risso folgende Tatsachen:
- Stuten nur auf Grund ihres Stammbaumes zu kaufen; - Stuten nur auf Grund von guten Turnierresultaten auszuwählen; - Hengste zu kaufen. (Jede Stute sei einzigartig und man müsse den zu ihr passenden Hengst in sorgfältiger Auswahl suchen). - Und last but not least: Nie glauben, man wisse schon alles!
Mit einer eloquenten und leidenschaftlichen Schlussrede des Präsidenten des peruanischen Kongresses endete dieser erste Weltkongress rund um das peruanische Pferd. Der Anlass war hervorragend organisiert und betreut worden durch die externe Firma STIMULUS, der Zeitplan wurde auf die Minute eingehalten, alle Redner erwiesen sich von weltmännischem Format und drückten sich klar, ruhig, bestimmt und auch überaus höflich aus. Die Atmosphäre während des Kongresses war konzentriert und warmherzig, ruhig und klar moderiert von José Risso Montes. Eine gutes Zusammenarbeiten war zu spüren. Es scheint, dass sich die ANCPCPP in den letzten vier Jahren enorm entwickelt hat und sehr darum bemüht ist, sich zu öffnen und Verbesserungen herbeizuführen, die nötig sind. So haben die Verantwortlichen sehr wohl bemerkt, wie sehr das reiterliche Niveau der Chalanes gesunken ist – gut sichtbar an der erstens kleinen Enfrenaduraklasse und zweitens dem nicht vorhandenen reiterlichen Können. Von sieben Teilnehmern brachte nur gerade einer ein paar holperige Galoppsprünge zustande, und eine Levade zum krönenden Abschluss konnte niemand bieten. Deshalb hat die ANCPCPP inzwischen mit der PromPeru Verträge unterzeichnet, um zwei Ausbildungsstätten für Chalanes zu schaffen.
Mit Teilnehmern aus Bolivien, Ecuador, Argentinien, Panama, Nicaragua und den USA sowie mit je drei aus Deutschland und der Schweiz können die Verantwortlichen des Kongresses mit dem Anlass zufrieden sein. Beim Abschlusscocktail und Mittagsbuffet auf der Terrasse des Marriott Hotels fanden die Gespräche ihren Ausklang und man freute sich bereits auf den Abend, die Galanacht der Pferde, für die ein VIP-Eintrittsticket in den Seminarunterlagen enthalten war.
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