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PCI-Gazette 24 - Jagoutz 2

Pferdeimport aus Peru nach Österreich - 2. Teil des Berichtes

Von Eva Maria Svoboda und Johann Jagoutz

 

"Gut Ding braucht Weile" …heißt es ja so schön und trifft gleichermaßen auf Peru und auch auf Süd-Österreich zu. Der Pferdeimport ging letztlich 24 Monate nach unserer Züchterreise nach Peru über die Bühne - und unser Bericht sollte weitere 12 Monate dauern.

Ursprünglich hatten wir ja 5 Stuten und 1 Hengst in Peru ausgewählt. Der Hengst und eine Stute durften nicht nach Europa einreisen, weil sie die sanitären Auflagen nicht erfüllten. Somit mussten wir Ersatz finden - per Video. Das zog sich auch dahin. Ein tolles Pferd am ersten Video war so toll, dass es gleich verkauft war. Also 2. Video.

Im Herbst 2003 ging es dann plötzlich heiß her. Wilde Korrespondenz, konkrete Vorbereitungen für den Import. Den Import hatte nämlich jemand anderer auf peruanischer Seite übernommen, der den Transport letztlich zu Wege brachte. Jedoch waren die Flugpreise etc. doppelt so teuer wie ursprünglich kalkuliert. D.h., die Flugpreise lagen bei den auch in Europa üblichen Preisen. Weiters gab es plötzlich ein Platzproblem. Man mietet eine Palette (Plattform), auf dem drei Transportboxen aufgesetzt werden. Wir nahmen also zwei Paletten, Platz für sechs erwachsene Pferde. Wir entschieden uns für 4 Stuten mit ihren Fohlen.

Das Risiko war nicht ohne. Wir mussten im voraus Geld überweisen und die Bestätigungen erreichten uns dürftig. (Die Bestätigung der SENESA, dass die Pferde wirklich in Quarantäne sind, die Reservierung des Fluges...).
 
Absolut geklappt hatte es eigentlich nur bei 2 Stuten. Da passte alles, wie vereinbart. Die zwei kamen trächtig mit Fohlen bei Fuß. Eine Stute hatte knapp vor der Quarantäne abgefohlt und konnte nicht mehr belegt werden. Das Fohlen einer weiteren Stute musste in Peru bleiben, weil es bereits zu groß und schwer war.

Es war Winter, Februar 2004. Bei uns lagen 2 m Schnee. Der Schneepflug hatte den Schnee die 1,4 km lange Hofzufahrt so aufgetürmt, dass man wie durch Plakatwände fuhr. Die Fahrbahn war spiegelglatt und es hatte -20 °C. Verschieben wollten wir nicht mehr, weil wir ohnedies schon viel Zeit verloren hatten. Irgendwie trauten wir dem ganzen auch nicht, und so begannen wir erst 14 Tage vor der vermeintlichen Ankunft den Warmstall umzubauen. Unsere heimischen Pferde waren im neuen Rundholzfreilaufkaltstall - aber die Umstellung von +30°C auf -15°C hätten die armen Pferde aus Peru nicht gepackt.

Die Schweinebuchten mussten wir mit dem Kompressor herausschremmen, die Aufstallung für die Kühe entfernen. Schließlich würden die Peruanerinnen mit ihren Fohlen den restlichen Winter im beheizten Stall verbringen müssen. Letztlich sind die Boxen  geräumig (á 3 x 7 m) und hell ausgefallen.

Anfang Februar hob die Pferdegruppe mit Martin Air am Flughafen Lima ab und landete einen Tag später in Amsterdam. Ingo Müller übernahm den Inlandstransport, wie immer zu unserer vollsten Zufriedenheit. Wir mussten den Gemeindearbeiter "schmieren", damit er uns die Hofzufahrt schottert, sonst wäre es zu riskant geworden. Mit Sonnenuntergang eines klirrend kalten Wintertages kamen sie an.

Komplett abgemagert. Erschöpft. Hypernervös. Misstrauisch. Scheu. Aggressiv.

Eine Stute machte uns besonders Sorgen. Ihr Euter war zum Platzen groß. Wir diskutierten noch nach Mitternacht im Bett, ob wir den Tierarzt lieber gleich hätten holen sollen oder doch erst in der Früh. Wir und die Pferde waren einfach schon zu erschöpft.

Tja, und in der Früh, da guckte aus der Box gemeinsam mit der Stute mit dem großen Euter ein neugeborenes Fohlen heraus. Ein strammer, gesunder Bursche.

Dem jüngsten Stutfohlen brach an einer Wachstumsfuge beim Fesselgelenk ein Knochensplitter heraus (wahrscheinlich seine Mama beim Transport draufgestiegen) und wurde gegipst. Die Verletzung verheilte ausgezeichnet. Nur war es schon so in seiner Motorik gestört, dass es nicht alleine aufstehen konnte. Wir mussten es 7 x am Tag aufheben. Der Gips kam herunter, das Bein wurde kräftiger, aber von Tag zu Tag hatte es größere Mühe sich zu bewegen und offensichtlich hatte es große Schmerzen. Sogar ein auf REHA spezialisierter Tierarzt war da, mit dem wir gemeinsam die täglichen Übungen machten. Eine zweiter Tierarzt wurde hinzugezogen, der die Diagnose stellte, dass die Hüfte (Oberschenkelknochen) gebrochen war. Entweder hat die übernervöse Mutter ihr Fohlen überrannt, oder es hat sich beim Niederlegen so verletzt. Wir mussten es einschläfern lassen.

Der Winter ging vorüber, die Pferde nahmen langsam zu und durften im Frühling auf die Weiden. Sie wurden ruhiger und viel angenehmer im Charakter. Wenn wir rufen, kommen sie über die Weiden angelaufen. 

Mit der Bodenbeschaffenheit einiger unserer Weiden hatten 2 der Stuten große Probleme. Eine Stute ist ausgesprochen ungeschickt, die zweite Stute wäre geschickt, ist aber so temperamentvoll, dass sie permanent rennt, ob es der Boden zulässt oder nicht. Einmal hatte sie sich am Fesselkopf fast bis zum Knochen verletzt, das zweite Mal hat sie sich den Hufballen fast abgetrennt. (Sie kam schon mit etlichen alten Narben und Schrammen aus Peru an). Zum Glück verheilen die Verletzungen sehr gut bei ihr und wir haben einen kompetenten Tierarzt.

Mit der Klimaumstellung ging es eigentlich besser als erwartet. Wir konnten mit einigen Tricks die Pferde bereits heuer den gesamten Winter bis -19 °C im Freilaufkaltstall im Schnee lassen. Wir hatten keinen einzigen Zwischenfall in Form von Verletzung oder Erkältung. Die Fohlen selbst machen überhaupt keine Probleme, weder mit den Böden noch mit dem Klima. Sie sind schon ganz zu Hause bei uns.


Fazit:

Pferdepreise in Peru sind ähnlich den Preisen hier.
Mit dem Transport liegt der Preis eines Import-Pferdes ca. 2 - 3 x höher.
Momentan würden wir nicht mehr importieren.
Ob es sich ausgezahlt hat werden wir erst in einigen Jahren sehen.
In Peru ist die Auswahl aufgrund der großen Population besser.
Equidenpässe haben wir immer noch nicht, weil die Peruaner trotz zig Urgenzen bestimmte Papiere nicht schicken. Selbiges gilt für einige Ausrüstungsgegenstände.

Wir haben nun eine gute Zuchtbasis mit weitem Spielraum bei unseren zukünftigen Zuchtentscheidungen.
Wir hoffen, eine Gruppe starker Stuten zu besitzen, die die Annäherung an unser Zuchtziel beschleunigt.

Unsere peruanischen Partner waren natürlich etwas "peruanisch", sonst aber absolut korrekt.