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PCI-Gazette 24 - Perubericht

PCI Perureise vom 15. bis 30. April 2005

Eine kleine Gruppe von fünf PCI Mitgliedern reiste zum Concurso Nacional, der jeweils im April in Lima stattfindet. Dieser Zuchtanlass ist der grösste und prestigeträchtigste des Landes und versammelt alle angesehenen Züchter und Aficionados Perus. Die zweite Reisewoche führte in den Norden zum Besuch dreier Züchter und zu einigen Highlights der präkolumbianischen Kultur.

Einleben in Lima


Der erste Schritt aus dem Flughafengebäude abends um acht, ein Blick rundum, die Menschen, der Verkehr, die Luft schnuppern – ja, es war noch dasselbe wie vor vier Jahren, das Bild vom nächtlichen Lima. Unser Taxichauffeur vom Hotel – Ronald öffnete die Klappen seines Kofferraums und unsere paar Taschen verschwanden im dunklen Rachen – alle unsere Koffer waren nicht angekommen, und der Fahrer hatte geduldig eine Stunde auf uns gewartet, bis wir alle Formalitäten erledigt hatten. Zum Glück waren wir darauf vorbereitet und hatten das Nötige für die Nacht und Kleider für den nächsten Tag im Handgepäck.


Die letzte Etappe unserer Reise, eine halbe Stunde Fahrt vom Flughafen Jorge Chávez in die Innenstadt zum Hotel Sonesta Posada del Inca. Staunend und fasziniert sogen unsere müden Augen die Stimmung der Hauptstadt auf: zuerst die niedrigen Gebäude, deren flachen Dächern Eisenarmierungen wie ziellose Antennen entsprangen, bereit zum Aufbau des nächsten Stockwerks, sollte das Geld einmal reichen; der Rimac Fluss, fast ausgetrocknet; die hünenhafte Marienstatue mit dem Jesuskind, die auf der Brücke thronte und auf das Verkehrschaos hinunterschaute; später, je näher wir dem vornehmen Stadtviertel kamen, die Hochhäuser, Bankenkomplexe und Villen. Ein bisschen vertraut war uns die Szene schon, Jacqueline, Fried und mir, neu und ungewohnt für Petra und Markus. Überall Verkehr, Menschen, hupen, penetrante Abgase – wir sehnten uns nach einem ruhigen Bett. Doch im Hotel angekommen, mussten wir den Auftakt unserer Reise dennoch zuerst mit einem kräftigen Pisco Sour begiessen, nachher schliefen wir umso besser.


Den ersten Reisetag begannen wir nach einem ausgiebigen Frühstück mit einem Bummel in Miraflores, das zusammen mit San Isidro den vornehmsten (und sichersten) Stadtteil Limas bildet. Wir hörten in einem Musikgeschäft viele CDs mit peruanischer Musik, auf der Suche nach geeigneten Stücken für kleine Showauftritte. Da konnte man sich lange verweilen… Im modernen Einkaufszentrum Larco Mar, direkt am Meer, verbrachten wir den Rest des Nachmittags. Unser Fahrer Ronald erwartete uns pünktlich an der vereinbarten Stelle, um uns wieder ins Hotel zu bringen. Er hatte den ganzen Nachmittag versucht, am Flughafen die Büros der KLM anzurufen um herauszufinden, ob unser Gepäck angekommen war, jedoch ohne Erfolg. Im Büro antwortete niemand, am Flughafen wusste niemand Bescheid. So entschlossen wir uns gegen Abend, trotzdem hinzufahren. Nach über einer Stunde suchen, fragen, telefonieren und warten tauchte endlich eine Angestellte der Frachtabteilung auf und bestätigte, dass sie fünf Koffer überzählig hätte, wir könnten ja mal schauen, ob es unsere wären. Gott sei Dank, Glück gehabt, sie waren es tatsächlich! Den Abend genossen wir in einem sehr guten italienischen Restaurant, nur ein paar Schritte vom Hotel gelegen.


Am Sonntagmorgen beschlossen wir, das Goldmuseum zu besuchen. Die lange Fahrt dahin erwies sich als eine hervorragende Gelegenheit, vieles über die Stadt zu erfahren. Ronald war ein exzellenter Reiseführer! Im Museum hielt uns eine fantastische Waffensammlung aus vielen Jahrhunderten zuerst ganz im Banne, bevor wir durch die Säle mit den antiken Reitutensilien der Conquistadoren die Goldschätze im unteren Stockwerk fanden.


Am Nachmittag fuhren wir wiederum mit dem Taxi die 35 km nach Mamacona, zum Gelände der ANCPCPP, wo das grosse jährliche Stelldichein der peruanischen Pferde stattfand. Um 15.00 wurde der Anlass mit einer kleinen Feier eröffnet, und gleich darauf starteten die Jugendklassen, die unterteilt waren in Drei- bis Sechsjährige, Sieben- bis Neunjährige und Zehn- bis Zwölfjährige. Sie alle absolvierten ihre Runden im grossen Freilichtstadion ohne jegliche Schwierigkeiten. Kein Pferd, das scheute oder die Nerven verlor… Nach ihnen waren die töltenden Maultiere in Aktion, die jeweils grosse Sympathien des Publikums geniessen.


Auf dem Abreitplatz herrschte eine zauberhafte Stimmung von sanftem Herbstlicht, Schatten spendenden Eukalyptusbäumen, Kindern, Pferden – alle friedlich und ruhig, keine Hektik. Väter, die letzte Ratschläge erteilten, Stiefelchen putzten, da und dort etwas zurechtzupften und Chalanes, die mit dem Lappen letzte Stäubchen von den Pferdekruppen wischten. Man könnte stundenlang zusehen…


Für den Hunger und Durst zwischendurch boten sich viele Verpflegungsmöglichkeiten an den Ständen, peruanische Spezialitäten und natürlich Cerveza (Bier), einer der Hauptsponsoren der peruanischen Pferde. Eine kleine „Shoppingmeile“ mit peruanischem Reitzubehör (Tack), Kunsthandwerk, Hüten und Schals, verlockte uns jeden Tag mehrmals zum Flanieren, Schauen und sich verführen lassen von den vielen schönen Sachen. Jedesmal entdeckte man wieder etwas Neues; hier einen noch schöneren Sattel, dort ein zweifarbig geflochtenes Zaumzeug, wer hat die günstigsten Hüte, wo gibt es diesen schönen Schal, wem könnte ich noch ein Geschenk mitbringen, wieviel kosten diese Sporen, wie kunstvoll ist dieser Pellón, hast du gesehen! Es wurde uns nie langweilig…


Unser Hotel war ruhig gelegen, familiär betreut, und um die Ecke lag der berühmte Olivenhain Limas mit über vierhundertjährigen Bäumen. Es war herrlich, am Morgen vor dem Frühstück dort zu spazieren und die Menschen zu beobachten. Erstaunlich, wie sportlich und gesundheitsbewusst die Limeños sind! Jede Menge Leute, vor allem in etwas fortgeschrittenem Alter, walkte und joggte am Morgen durch den Park, auf und ab, wenn auch etwas gemütlicher als vielleicht bei uns. Es gab Hundesitter, Kindermädchen, Schulkinder in Uniformen und Geschäftsherren, die Akten studierten. Sehr beeindruckt hat mich ein alter Mann, der acht Hunde verschiedenster Rassen hütete, vom Kleinsten bis zum Grössten. Alle lagen ganz friedlich im Schatten eines Baumes, der Alte stand wie ein Schäfer seelenruhig in der Mitte. Hier in diesem Park konnte man aufatmen und etwas Frische am Morgen geniessen, bevor man sich ins Verkehrsgewühl und die Abgase der Stadt begab. Wie zum Beispiel am Montag, als uns Señor Barrena mit seinem Wagen abholte und in seine Werkstatt fuhr, die fast eine Stunde entfernt am Rande der Stadt lag. In einem ziemlich armen Wohnviertel, wie wir feststellten. Frau Barrena erklärte uns, dass die Arbeiter in dieser Gegend wohnten und dass es unerlässlich sei, Produktion und Wohnhaus unter einem Dach zu vereinien. Nur so sei gewährleistet, dass ev. eines der Kinder Freude an diesem Kunsthandwerk finde und es von Grund auf, schon von Kindsbeinen an, erlerne. Es gibt keine Schulen, die die traditionelle Herstellung des peruanischen Tacks lehren; das Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben. Im obersten Stockwerk der Werkstatt wohnt zum Beispiel der Silberschmied mit seiner Frau und seinem kleinen Kind; er fertigt Silberschmuck nach Entwürfen von Señora Barrena an und das silberne Zubehör zum Tack. Der kleine Knabe ist den ganzen Tag um den Vater herum, so wird auch er vielleicht eines Tages ein begabter Kunsthandwerker werden. Das Atelier Barrena beschäftigt zwölf feste Mitarbeiter und zehn Heimarbeiter.


Der Concurso Nacional


Der Concurso Nacional wird jeweils an einem Sonntag offiziell eröffnet und dauert bis und mit Donnerstag. Freitag/Samstag ist jeweils Pause, um die aufwändige Publikation – das Jahresheft mit allen Ranglisten – fertigzustellen. Am darauffolgenden Sonntag schliesst der Anlass mit dem grossen Defilee der Sieger und der Fahnenpräsentation aller Zuchtländer sowie dem Auftritt aller anwesenden Präsidenten der verschiedenen Paso Vereinigungen. Seit zwei, drei Jahren findet zudem am Samstagabend eine Galanacht statt.


Das Stadion in Mamacona liegt in Meeresnähe und ist etwa so gross wie ein Fussballplatz. Es ist von mächtigen Eukalyptusbäumen und Palmen umgeben, im April liegt oft ein ganz feiner Morgennebel über dem Gelände und dämpft die Sonne weich ab. Die Pferde werden auf dem Abreitplatz warm geritten und vor ihrem Eintritt in die Arena geprüft, ob keine manipulierenden Massnahmen angewandt wurden. Nach jeder Prüfung werden die Siegerpferde millimetergenau vermessen und registriert, sodass die Entwicklung der Rasse über die Jahre minutiös festgehalten werden kann.


Die Prüfungen folgen jedes Jahr demselben Rhythmus: Der Montag beginnt mit den Halfterklassen und den Jungstuten bis sechs Jahre. Der Dienstag ist allgemein den Stuten gewidmet, der Mittwoch den Hengsten und der Donnerstag den Wallachen und der Erkörung der Champion of Champions. Die Pferde sind in der Regel alle (zu) gut genährt und stehen im barocken Typ. Weiche Fesselung sieht man immer noch häufig, doch scheint dies unter den Züchtern kein nennenswertes Thema zu sein. Auch Pferde mit extrem weicher Fesselung haben Prüfungen gewonnen. Am meisten gewichtet wird der Gang, der ein ruhiges, raumgreifendes Schieben aus der Hinterhand sein soll mit einer ruhigen Kruppe, ersichtlich am weich fliessenden Schweif. Übertritt und genügend Schub sind gefragt. Am zweitwichtigsten schien mir die Wertung der Ausstrahlung der Pferde. Stolz und feminine oder maskuline Ausstrahlung müssen vorhanden sein. Nicht verlangt war eindeutig Schnelligkeit. Wieder und wieder musste der Richter die Reiter mahnen, die Pferde zurückzunehmen und im Paso Llano vorzustellen. Der Paso Llano sei das Zuchtziel, nicht, wer am schnellsten sei. Doch die Reiter vergassen sich immer wieder… Ebenfalls keinen Einfluss auf die Wertung hat der Reitstil. Ob das Pferd mit durchgedrücktem Hals, im Stuhlsitz oder mit zuviel Gewicht in der Hand vorgestellt wird – das sind reiterliche Mängel, die die züchterischen Qualitäten des Pferdes nicht beeinträchtigen sollen. Doch ist sich die peruanische Vereinigung durchaus bewusst, dass die Reitkunst in Peru immer ärmlicher wird und eine fundierte Ausbildung der Chalanes dringend notwendig ist. Deshalb hat sie beschlossen, zwei Ausbildungszentren zu gründen, um das Niveau der Chalanes in den nächsten Jahren zu verbessern.
Entgegen der Meinung, dass man in Peru Schimmel nicht gerne sieht, waren doch einige „Moros“ oder „Tordillos“ präsent. Eine sehr schöne Zuchtgruppe mit drei Schimmeln präsentierte ein argentinischer Züchter. Auch Frauen sind am Turnier geritten, wenn auch anzahlmässig noch weit in der Minderheit.


Am Mittwochabend fand im Clubraum der ANCPCPP die Präsentation der neuen Homepage statt. Sie enthält neu das gesamte Zuchtregister, das mit einem Passwort eingesehen werden kann. Die Eingangsseite öffnet sich mit einer kleinen, netten, wohl von Disneyland inspirierten Animation über die Ankunft der Pferde auf dem südamerikanischen Kontinent: www.ancpcpp.org.pe


Zwischen Mittwoch und Samstag blieb Zeit für individuelle Pläne. So reisten Petra und Markus für drei Tage Richtung Süden nach Ica und den Islas Ballestas, Jacqueline besuchte ein Kinderheim in den Bergen und Fried und ich nahmen am 1. Weltkongress der Besitzer und Züchter von Paso Peruanos statt (siehe separater Bericht).


Am Samstagabend waren wir alle gespannt auf die Galanacht. Sie war restlos ausverkauft, und wir bekamen unsere letzten Eintrittstickets – es fehlten noch drei! – nur mit grösster Mühe zusammen. Aber wir schafften es und kriegten sogar teilweise noch VIP-Tickets. Das heisst: schon beim Eintritt wurde man mit verschiedenen Sorten Pisco Sour willkommen geheissen, mit Cerveza, wunderbaren kleinen Brötchen, und Apéro Häppchen à la discrétion. Die Schau wurde pünktlich eröffnet mit fulminanter Musik und Lichtspielen, laut, aber schön. Einige Schaubilder möchte ich besonders erwähnen: Eine Marinera (peruan. Nationaltanz) mit dem Vater zu Pferd und seinem etwa siebenjährigen zierlichen Töchterchen, das sich absolut graziös und anmutig bewegte, das weisse Tüchlein über seinen blonden Zöpfchen schwenkte und keinen Zentimeter zur Seite wich, auch wenn die Hufe des Pferdes nur Millimeter neben seinen kleinen Barfüsschen tanzten. Hand in Hand verliessen die beiden die Arena, das Pferd in höchster Versammlung und Konzentration, um mit der Kleinen Schritt zu halten. Ein wunderbares, unvergessliches Bild!


Dann die grosse, gestellte Marktszene, auf der Indiofrauen, Kaufleute, peruanische Edelmänner auf ihren Pferden, Händler, Marktschreier und spielende Kinder auftraten. Baumwollhaufen, Blumen, Früchte und: zwei Señores mit Kampfhähnen, die sie kurz aufeinander losliessen; die Federn flogen unverzüglich und in alle Richtungen!


Auf einer kleinen Holzbühne zwei zackige Flamencotänzer, flankiert von einem Pendant in Form eines Pas-de-deux zu Pferd; fast finomässig in den stepartigen Schrittfolgen und Seitengängen.


Dann wiederum eine Marinera, diesmal von zwei Pferden getanzt mit einer überaus koketten, sympathischen Señorita und einem ebensolchen Chalan.


Ein anderes Bild bestand aus furchteinflössenden indianischen Göttern und dem über allen thronenden Jaguargott. Eine weitere Szene stellte die Landung der ersten Pferde an der Küste dar, mit gewaltigem Meeresrauschen und faszinierenden Lichtspielen.
Dies sind nur einige Eindrücke dieses wundervollen Abends. Geritten wurde nicht immer in der feinsten Manier, doch beeindruckt hat die Nervenstärke der Pferde angesichts der lauten Geräusche, des Lichts, des tobenden Publikums. Eine ältere, tragende und – zugegebenermassen– schon sehr schwerfällige Stute trug einen zweijährigen Knirps so sicher über die Runden, dass wir nur staunen konnten. Kein einziger falscher Schritt, das Publikum applaudierte frenetisch.


Nach der Schau wurde die Arena geöffnet, das Publikum strömte auf den Platz und alle wurden wiederum kostenlos mit alkoholischen und anderen Getränken und reichhaltigen Häppchen verwöhnt. Wir haben es sehr genossen!


Für die Durchführung des Turniers und des Galaabends muss der ANCPCPP ein grosses Kompliment gemacht werden. Alles war im Grossen und Ganzen perfekt organisiert, die Prüfungen begannen pünktlich, alles war gut geregelt. Sie haben sich jede erdenkliche Mühe gegeben, ihren in- und ausländischen Gästen den Aufenthalt auf dem Gelände angenehm zu machen und die Rasse des Caballo Peruano de Paso würdig und professionell nach aussen zu vertreten.


Nordwärts


In der Nacht von Sonntag auf Montag fuhren wir mit dem grossen Überlandbus der Küste entlang Richtung Norden. Wüste, Sand und kahle Berge, so weit das Auge reichte. Nur dort, wo ein Fluss aus den Anden ins Meer mündete und die Bewohner mit Kanälen Wasser ableiteten für ihre Felder, gab es Grünflächen. Es wurde vorwiegend Reis angebaut, aber auch Zuckerrohr und Spargeln.


 Morgens um sieben kamen wir in Trujillo an und wurden von unserem Reiseleiter Napoleón und Chauffeur Marco abgeholt und ins Hotel gebracht. Nach dem Frühstück reisten wir zu den in der Nähe gelegenen Mond- und Sonnenpyramiden, die sehr interessante Ausgrabungen offenbarten. Von der Mondpyramide aus genoss man eine fantastische Rundsicht, und Napoleón, der Deutsch sprach, erwies sich als hervorragender Führer und erklärte uns manch interessantes Detail. Weit unten, am Fusse der Pyramide, erspähten unsere Augen ein paar Pferde – tatsächlich, sie warteten auf uns, ein Besitzer hatte sie im Lastwagen hergebracht, damit wir von Huaca de la Luna einen Ritt zum Meer und von dort zum Sitz der Paso Vereinigung des Nordens, La Libertad, machen können! Die Tiere wurden uns zugeteilt, es waren eher magere und athletische Pasos, keine Showpferde, das war uns auf den ersten Blick klar. Und das Zaumzeug wohl dutzende von Jahren alt – richtig gut gebraucht. So sieht also die „normale“ Reiterei in Peru aus, fern vom Showgelände… In rassigem Tölt preschten wir durch verschiedene Weiler und beobachteten dabei das Dorfleben – die Gärten, die Arbeiter, Wasserkanäle, Schweine, Hunde, Hähne, Hühner, Menschen. Weiter folgte der Weg für eine Weile der Hauptstrasse, neben hupenden Lastwagen, Bussen und lautem Verkehr – kein Problem für die kleinen, zähen Pferde, sie waren sich das wohl von Fohlenbeinen an gewohnt. Nach der grossen Strasse kam die Abzweigung Richtung Meer, ein leichter Wind kam auf und wir mussten unsere Hüte festhalten. Vorbei an Farmen und Stierzuchten erreichten wir nach zwei Stunden den Ozean. Wie herrlich, das Tosen der Wellen, den festen Sand unter den Hufen, die kühle Brise. Aber am Meer liegt leider oft auch Abfall und riecht ein bisschen… Vom Strand war es nicht mehr weit bis zur Associación La Libertad, wo die Pferde gleich wieder verladen wurden und den Rückweg antraten, währenddessen uns der Wagen erwartete und zum Mittagessen in ein feines Fischlokal in Huanchaco brachte, von wo aus wir die berühmten, aus Bambus geflochtenen Kanus, die „caballitos“ beim Wellenreiten beobachten konnten. Auf dem Rückweg zum Hotel besichtigten wir noch die vermutlich grösste Lehmziegelstadt der Welt, Chan Chan, einst blühende Hochburg und Hauptstadt des Chimú-Reiches.


Trujillo ist eine wunderbare Kolonialstadt, und wir genossen einen Stadtrundgang und den Besuch in einigen der schönsten und vornehmsten alten Häuser mit den typisch spanischen Innenhöfen. Eine kleine Kuriosität ist das Cassinelli-Museum, das im Keller einer Tankstelle untergebracht ist! Der Gründer, José Cassinelli Mazzei, 82-Jahre alt, hatte im Laufe seines Lebens tausende von präkolumbianischen Gefässen und Kunstwerken aus der Inkazeit zusammengetragen, die in sehr guter Qualität erhalten sind und in diesem Keller, auf Regalen zusammengepfercht, vor sich hinschlummern. Cassinelli und sein ebenso alter Freund seit Jugendzeiten hüten das Museum eigenhändig. Cassinelli verkauft die Tickets hinter einem Tischchen, sein Gefährte macht die Führungen. Leider konnte sich bisher kein Geldgeber finden der Interesse hätte, diesen Kunstwerken ein eigenes, richtiges Museum zu bauen. Der grösste Wunsch von Cassinelli wäre es, diese Verwirklichung seines Traums noch erleben zu dürfen…


Am Nachmittag brachte uns der Bus noch weiter nördlich nach Paiján zum Besuch des Gestüts Aníbal Vázques, dem gegenwärtigen Präsidenten der ANCPCPP. Ein herrschaftliches Anwesen, hinter den üblichen Mauern versteckt, der Rasen von schattigen Bäumen umrahmt und weite Korbstühle auf der Veranda, von wo aus wir die Pferdepräsentation verfolgen konnten. Allerdings ziemlich desinteressiert und lieblos vorgestellt von Tochter Ani-Lou, eine der wenigen Reiterinnen in Mamacona. Auf dieser Hacienda spürte man, dass die Vorführungen reine (und bezahlte) Routine sind, die gewohnte Herzlichkeit Perus fehlte gänzlich. Aber das Herrschaftshaus hat uns beeindruckt, und die vielen Fotos der stierkämpfenden Vorfahren an der Wand.


Am späteren Nachmittag kamen wir in Pacasmayo an, wo uns ein kleines, sympathisches Hotel direkt am Meer erwartete. Gleich nebenan wohnte unser Schweizer Freund und PCI Mitglied Jimmy Schneider, der sich extra einen Tag frei genommen hatte und für uns am Mittwoch einen schönen Ausritt geplant hatte. Diese zweite Reisewoche verdanken wir seinen Plänen, denn er hatte für uns alles organisiert, zusammen mit einem Freund, der ein Reisebüro führt. So waren wir bestens aufgehoben und hatten die ganze Woche einen eigenen Führer und Chauffeur zur Verfügung. Wir setzten uns also auf die Hotelterrasse am Meer, hörten den Wellen zu und – einfach geniessen…


Am nächsten Morgen holte uns Jimmy Schneider mit Tochter Christ ab, begleitet von einem Kameramann! Wir staunten nicht schlecht ab dieser prominenten Inszenierung, und Jimmy klärte uns auf, dass er den Tag mit uns auf Film bannen möchte, damit sein Sohn in der Schweiz an unserem gemeinsamen Ausflug sozusagen teilhaben könne (ich nahm das Video dann mit in die Schweiz). Nun denn, wir lächelten in die Kamera und brachen voller Erwartung in diesen neuen peruanischen Tag auf. Wir fuhren in ein Dorf und warteten dort auf die Pferde, die bald per Lastwagen eintrafen. Pferde aus Jimmy Schneiders Zucht, die wir auf diesem Ausritt reiten durften. Wir überquerten die Strasse, und schon befanden wir uns umgeben von Reisfeldern, kleinen Wassergräben und malerischen kleinen, weissen Kranichen, die an den Wasserläufen standen oder über unsere Köpfe hinweg segelten. Es begegneten uns Arbeiter auf dem Feld mit Pferden, Eseln oder Maultieren, Kühe und gaukelnde Schmetterlinge. Als Kulisse rahmten Palmen und Sanddünen unseren Blickwinkel ein, am Horizont machte man das Schimmern des Meeres aus. Fast vor unseren Augen gebar eine Kuh ein Kälbchen, mitten auf dem Weg. Es lag noch da mit der Nabelschnur, als wir vorbeiritten. Die Indios kauerten am Weg und hüteten das Vieh.
Unsere Pferde waren fleissig und gut geritten. Viel Spass machte auch das Durchqueren zweier, dreier Bäche, wo es zu unserem Vergnügen richtig schön spritzte und planschte…


Am frühen Nachmittag kamen wir auf der Chacra (Farm) von Schneiders an und durften die Pferde den Chalanes übergeben. Für uns brutzelten Haufenweise Hähnchen und Steaks auf dem Grill, und ein wunderbares Salatbuffet nach peruanischer Art lockte zu mehrmaligem Nachschöpfen. Anschliessend führte Jimmy Schneider uns seine Pferde vor, Stuten, Fohlen, Wallache, und der Kameramann hielt alles fest, damit James in der Schweiz auch das Vergnügen haben würde. Jimmy hat vier Fohlen des beeindruckenden Hengstes Oro Fino, der am Concurso in Mamacona soeben Champion of Champions geworden war. Das bedeutet somit vielversprechenden Nachwuchs für Schneiders!

Die Königsgräber von Sipán (Tumbas reales de Sipán), gehört heute zu den schönsten Museen der Welt. Im August 2003 wurde es in der kleinen Stadt Lambayeque bei Chiclayo eröffnet, nachdem die Ausstellung mit dem geheimnisvollen Goldschatz ein paar Jahre lang in Europa auf Tournee war. Wir hatten das Glück, diesen einzigartigen, modernen Bau besuchen zu können und uns ganz in die Welt der Mochica Kultur hineinziehen zu lassen, Stufe um Stufe, je weiter wir in die Tiefen des Museums vordrangen, das optisch und didaktisch einzigartig aufgebaut war. Ein Bild dieser Kultur, dieser Menschen, kristallisierte sich immer klarer vor unserem inneren Auge heraus. Was für eine fremdartige, faszinierende Welt!


Unsere nächste Etappe hiess Cajamarca, eine wunderschöne Andenstadt auf 2650 m. Die Fahrt dahin dauerte von Lambayeque aus fast sieben Stunden und war etwas anstrengend, doch die Veränderung der Landschaft zu beobachten, von der Wüste bis hin zum Andenhochland, war faszinierend. Beim Einnachten konnten wir vom Auto aus zusehen, wie sich die Indios vor ihre Häuschen hockten zum Abendschwatz, wie die Arbeiter von den Feldern heimkehrten, die Hunde herumstreunten, die Kinder spielten – bis die Nacht die Bilder verschlungen hatte und wir uns nach einem feinen Nachtessen sehnten. Es wurde fast 23.00 Uhr, bis es soweit war.
Der nächste Tag brachte auch in den Bergen strahlendes Wetter, tiefblauen Himmel über üppig verzierten, barocken Kirchen, bunten, wippenden Indioröcken und grünen Hügeln. Mit Napoleón erlebten wir eine interessante Stadtführung und wir konnten das berühmte Zimmer des Herrschers Atahualpa besichtigen, das 1533 mit Gold- und Silberschätzen als Lösegeld für die Spanier gefüllt worden war. Als die Conquistadoren die Schätze eingesammelt hatten, töteten sie den Herrscher dennoch.


In Cajamarca wird der beste Käse Perus hergestellt, demzufolge gibt es Kühe und Weideland. Diese Landschaft bot sich uns auf unserem nachmittäglichen Ausritt mit den Pferden von Pedro Zambrano dar. In den zwei Stunden – immer im Tölt – durchquerten wir Dörfer und Höfe mit Hunden, Schafen und Hausschweinen und konnten die Indios bei ihrer täglichen Arbeit beobachten. Die Frauen in ihren bunten Röcken und den Sombreros aus Stroh strickten oder sponnen unentwegt, beim Viehhüten, beim Laufen, beim Schwatzen. Es war herrlich, diese Bilder zu Pferd an sich vorüberziehen zu lassen!


Am Samstag, unserem letzten Tag in Peru, brachte uns Marco mit dem Bus von Cajamarca zurück nach Chiclayo, frühmorgens um 03.00, da unser gebuchter Flug ab Cajamarca ausgefallen war. Von Chiclayo flogen wir nach Lima, wo wir den Tag noch gemütlich mit kleinen Besorgungen verbrachten. Unser Rückflug via Bonnaire und Amsterdam erfolgte pünktlich um 19.45 Uhr, und wir erreichten Zürich am folgenden Abend am 1. Mai. Die Reise nach Peru hat unsere Erwartungen erfüllt, wir sind mit vielen Bildern und Erlebnissen bereichert, die uns nun begleiten, und ich möchte Jimmy und James Schneider im Namen von uns allen ein ganz grosses, herzliches Dankeschön aussprechen für die hervorragende Organisation der zweiten Woche und die Gastfreundschaft in Jequetepeque. Danke!