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PCI-Gazette 25 - Pferde von Andahuaylas

Die vergessenen Pferde von Andahuaylas

Die Hochebene von Pampachiri gehört zu den einsamsten Gegenden Perus. Sie liegt im Distrikt Andahuaylas. Touristisch bekannt ist vor allem der so genannte “bosque de piedras”, der „Steinwald“. Es handelt sich um eine interessante geologische Formation von unzähligen kegelförmigen Felsen. In dieser verlassenen Region lebt eine Population von Wildpferden. Leider existieren sehr wenige verlässliche Informationen über diese Tiere, welche sich im Verlauf der Zeit an eine für Equiden aussergewöhnlich schwierige Umwelt angepasst haben.

Die Pferde - es soll sich nach vorsichtigen Schätzungen um ein paar tausend Tiere handeln - durchstreifen in kleinen Verbänden von bis zu 20 Stück die unwirtliche Landschaft auf einer Höhe von 3500 bis 4000 m.  Nebst der ausserordentlichen Höhentoleranz müssen die Pferde grosse Temperaturschwankungen von bis zu 20 Grad Celsius zwischen Tag und Nacht aushalten. Das insbesondere in der Trockenzeit ( Mai bis Dezember) spärliche Futterangebot - bestehend aus zähem, nährstoffarmem Ichugras - teilen sie sich mit Vicuñas sowie verwilderten Lamas und Alpakas.

Der Ursprung dieser Pferde ist ungewiss. Die plausibelste Erklärung ist wohl die, dass es sich um Nachkommen von versprengten Tieren aus der Zeit der Unabhängigkeitskriege anfangs des 19. Jahrhunderts handelt. Ihre Ähnlichkeit mit den früher in den Andenregionen Perus verbreiteten Pferdeschlägen ”Morochuco” und Chumbivilcas”, der sogenannten Rasse Andino, ist recht gross. Der leicht konvexe Kopf sitzt auf einem kurzen kräftigen Hals. Der Rumpf ist kompakt, die Beine eher kurz mit steilen Fesseln und sehr harten Hufen. Sie haben sich erstaunlicherweise gut an das Höhenklima an-gepasst und überlebten fast 200 Jahre in den entlegenen und praktisch unbewohnten Weiten von Pampachiri. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass auch bei diesen Pferden - wie bei den oben erwähnten Andinos - Lunge und Herz ungewöhnlich gross sind. Ebenso dürfte die Zahl der roten Blutkörperchen höher als bei andern Rassen sein. Ob diese Wildpferde ebenso wie der Morochuco eine starke Passveranlagung haben, ist mir nicht bekannt.

Wie viele dieser Tiere heute noch leben, ist ungewiss. Die oben erwähnten Schätzungen liegen schon einige Jahre zurück. Die Journalistin Doris Bayly hat Ende der neunziger Jahre in einer peruanischen Zeitschrift einen Artikel  darüber geschrieben, wie Indios im Dept. Apurimac die Pferde einmal pro Jahr zusammentreiben, um Tiere für den Eigengebrauch zu fangen und zu zähmen. Sie beschreibt dort diese Pferde als eher klein, zäh und ausserordentlich ausdauernd. Die Pferde sollen kilometerweit galoppieren können, ohne sichtlich zu ermüden. Ein dichtes Fell schützt sie vor dem rauen Klima, und die harten Hufe ermöglichen ihnen, sich problemlos auf den steinigen Böden fortzubewegen.

Einmal im Jahr werden also einige dieser umherstreifenden Gruppen von ”Campesinos” der Region in einen aus Steinen errichteten Korral getrieben. Dort werden dann die geeignetsten Tiere ausgewählt und mit dem Lasso eingefangen und gezähmt, um später als Reit- oder insbesondere auch als Lasttiere verwendet zu werden. Für die Bewohner der sehr abgelegenen Dörfer bilden diese Pferde mitunter die einzige Möglichkeit, innerhalb nützlicher Zeit grössere Ortschaften - wie z.B. Andahuaylas - zu erreichen. Das Einfangen dieser Tiere ist eine aufreibende und nicht ganz ungefährliche Sache. Das schwierige Gelände mit vielen kleinen Schluchten, Felsen, Abhängen usw. fordert das Letzte von den Reitern, welche die Wildpferde zusammentreiben. Auch das Zähmen und Zureiten ist wohl eine eher raue Sache. Die Menschen, welche diese Leistungen auf dieser Höhenlage erbringen, sind wohl ebenso zäh wie diese kleinen Pferde.

Konkurrenz erwächst diesen Herden insbesondere durch die Vicuñas. Das heisst, eigentlich durch Forderungen der Organisation CONACS (Comision Nacional de Camelidos sudamericanos). Diese unterstützt Gemeinden, welche die Zucht resp. Vermehrung von Vicuñas fördern, aber nur unter der Bedingung, dass die Pferdebestände verringert oder sogar eliminiert werden. Nach dem Bericht von Frau Bayly besteht allerdings die Hoffnung, dass eine nicht ganz so radikae Lösung gefunden werden kann. Solange in die mausarme Gegend nicht grosse Investitionen für Bewässerung und andere Infrastruktur fliessen und die Herden durch die Landwirtschaft konkurrenziert werden, dürften Vicuñas und Pferde wohl weiterhin nebeneinander Platz finden.