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Herkunft und Geschichte der Paso Peruanos
Während vieler Jahre war Santo Domingo das grosse Zuchtzentrum der Neuen Welt, das die Grundlage für
weitere Gestüte in anderen mittelamerikanischen Ländern bildete. So begann 1531 Francisco Pizarro eine
Expedition nach Peru, wobei er 62 Pferde mitnahm, die gemäss historischen Aufzeichnungen aus den Zuchten
von Panama, Nicaragua und möglicherweise Jamaica stammten. Dieser kleine Bestand wurde durch
nachfolgende Importe ergänzt, so dass in der Schlacht von Cuzco 1536 die Spanier bereits 200 Pferde
verloren. 70 Jahre später hatte sich in Peru durch die ausgezeichneten Umweltbedingungen eine
so hervorragende Pferdezucht gebildet, dass sie, nach zeitgenössischen Berichten des Padre de Acosta,
den Neuimporten aus Spanien bereits überlegen war. Durch die selektive, sorgfältige Auslese und die
sorgsam gehütete Reinheit des Blutes während fünf Jahrhunderten wurden die Gänge absolut genetisch fixiert
und es entwickelte sich die aussergewöhnliche Rasse der Paso Peruanos, wie wir sie heute noch kennen und schätzen.
Die Gangart - der Paso Llano
Die grosse Trittsicherheit auf schmalen Gebirgspfaden, die sichere Lage der Traglast und der angenehme
Reitersitz trugen von Anfang an dazu bei, die Spezialgangarten züchterisch zu selektieren. Das
Zuchtgebiet der peruanischen und kolumbianischen Paso Pferde reicht von tropischen Gebieten bis hin
zu hochalpinen Andenhöhenlagen von 0 - 4500 Metern, mit den entsprechenden Temperaturunterschieden! Neben der
extremen Leistungszucht dieser Pferde setzten schon vor 300 Jahren Bemühungen ein, das vorhandene
Material züchterisch zu verfeinern, um jenes der südamerikanischen Mentalität entsprechende, agile,
repräsentative und bequeme Reitpferd zu züchten. Der Gang der Paso Pferde ist ein laterales
Bewegungsmuster, ein im reinen Viertakt gebrochener Pass ohne Schwebephase. Die Fussfolge ist: Hinten
links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts. Es bleibt dabei immer mind. ein Stützfuss am Boden, der
Grund für die erschütterungsfreie Fortbewegung. Beim peruanischen Paso Pferd ist zudem der "Termino" zu
beobachten, eine seitlich ausgreifende, hohe Bewegung der Vordergliedmassen, die aus der Schulter kommt
und nicht mit dem fehlerhaften "Bügeln" anderer Pferde verwechselt werden darf. Auch viele heutige
spanische Pferde weisen immer noch diese terminoartige Bewegung auf, in Spanien allerdings "Campaneo"
genannt. Der Termino erlaubt es dem Pferd auszugreifen, ohne die Bewegung auf den Rücken zu übertragen.
Der reine Viertaktgang wird "Paso Llano" genannt; ist der Intervall der lateralen Fussfolge kürzer und in
Richtung Pass verschoben, wird dies als "Sobreandando" bezeichnet. Die Gangeignung ist diesen Pferden
absolut angeboren und genetisch fixiert; die Fohlen tölten schon in den ersten Tagen ihres Lebens über die Weiden!
Brio - ein wichtiges Attribut der Paso Pferde
Die aufgerichtete, stolze Haltung, Eleganz und Ausstrahlung verraten die spanische Herkunft
der Paso Pferde. Pasos sind immer bemüht, dem Menschen zu gefallen. Im Umgang sind sie freundlich
und ruhig, geritten zeigen sie viel Temperament und Gehwillen, sind aber gleichzeitig gehorsam
und kooperativ; die Energie, die sie in den Gang stecken und die Freude, sich zu präsentieren,
all diese Eigenschaften versteht man unter dem Begriff "Brio", der den Paso Pferden eigen ist.
Brio ist angeboren, nicht anerzogen!
Zuchtziel
Zuchtziel der in Europa nachgezüchteten Paso Pferde ist ein ca. 145 cm bis 155 cm grosses,
harmonisches Reitpferd mit feinen, harten Gliedmassen und einer klaren Oberlinie mit guter Aufrichtung,
das in Kopf und Manier seine spanischen Vorfahren verrät. Das Profil gerade oder leicht konvex, üppiges
Schweif- und Mähnenhaar. Der angenehme Charakter als unabdingbare Forderung sowie der genetisch fixierte,
weiche, gebrochene Lateralgang gehören zum Zuchtziel. Menschenfreundlichkeit, Trittsicherheit, Brio,
Präsenz, Adel und die diesen Pferden eigene Freude am Vorgestelltwerden gehören mit zum Bild der Pasos.
Besonderes Augenmerk sollte beim Kauf eines Paso Pferdes allerdings auf eine gute, stabile Fesselung
gelegt werden, da sich hierbei in den letzten Jahren gewisse Schwachpunkte gezeigt haben.
Reiterliche Ansprüche
Durch die festere genetische Fixation der Gänge fallen viele vom Islandpferd bekannte
"Schaltschwierigkeiten" weg, doch verlangen die Pasopferde eine feine reiterliche Hand und einen
ruhigen, tiefen Sitz, da es sich zum Teil um sehr temperamentvolle Pferde von ausgezeichnetem Charakter
aber mit viel Brio handelt. Der Paso Peruano ist ein anspruchsvolles Freizeitpferd, das dem
Gangpferdereiter subtile Möglichkeiten bietet und die Beschäftigung mit einer Rasse mit reichem
zuchtgeschichtlichem Hintergrund eröffnet.
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